Seit Ende Januar sind sieben Menschen gewählt, die im Rahmen unserer Organisationsentwicklung und –strukturierung mit dem Holacracy-Ansatz das „Board" bilden – sozusagen den Aufsichtsrat, der ohne operative Aufgaben wohlwollend über das ZEGG und seine Vision, Mission, Ziele und natürlich seine Bewohner und Gäste wacht. Zwei noch zu bestimmende Vertreter des Management-Kreises machen demnächst den neuen Rat komplett.
Das Board hat die Aufgabe, „den evolutionären Impuls der Organisation entdecken zu helfen und ihn zu manifestieren – als die Stimme des 'höheren Selbst'der Organisation zu handeln, und die Organisation in Richtung ihres einzigartigen (...) 'Lebenszwecks' anzuspornen." (Zitat aus „Leading-Edge Organisation: Einführung in Holacracy"; Brian J. Robertson; S.28)
v.l n.r: Robert Heeß, Tatjana Wolf, Cordula Andrae, Rotraud Rospert, Susanne KohtsWer die Wahl ins Board annimmt, tut dies in dem Wissen, dass er/sie eine „Rolle" einzunehmen hat. Das heißt, die Interessen eines bestimmten Themas oder Themenfeldes zu vertreten, diese Themen regelrecht zu verkörpern. Bislang haben wir für das ZEGG sieben Rollen definiert, die sich zurzeit für die Gemeinschaft und das Seminarzentrum stimmig anfühlen (das kann sich verändern, denn es geht bei Holacracy immer um dynamische Steuerungsinstrumente).
Die Rollen und die dafür gewählten Menschen (zunächst für ein Jahr) sind:
Axel Lewerenz
Rolle, die die Aspekte von Ökologie und Nachhaltigkeit vertritt, hat den Blick z.B. auf den „ökologischen Fußabdruck" des ZEGG, das ökologische Bewußtsein in der Gemeinschaft, den Energiehaushalt, (Selbst-)Versorgung, ...
Rotraud Rospert
Rolle, die die sozialen Aspekte vertritt, schaut z.B. auf demographische Entwicklung, soziale Nachhaltigkeit der Gemeinschaft, soziale Struktur, Kommunikation, Bedürfnisse der verschiedenen Generationen und deren Zusammenspiel, ...
Cordula Andrae
Rolle, die die überregionalen Netzwerke vertritt, innerhalb derer das ZEGG arbeitet und wirkt (z.B, GEN, Gemeinschaftsbewegung, andere Gemeinschaften mit Tagungsbetrieb, Artabana, Attac ...)
Dorothee Bornath (wohnt im Fläming)
Rolle, die die lokale Region vertritt (Stadt Bad Belzig, Region Hoher Fläming, Flämingnetzwerk ...)
Robert Heeß
Rolle, die den Aspekt der ökonomischen Umwelt vertritt (neue ökonomische Wege und Modelle, Interessen von Investoren, Darlehensgebern, ZEGG-Club-Mitgliedern, usw. ...)
Susanne Kohts
Rolle, die die Themen Liebe, Sex, Beziehungen und Spiritualität vertritt
Tatjana Wolf
Rolle, die die Lehre, Ausbildung und Forschung vertritt
Wir haben, wie das im Holocracy-Ansatz üblich ist, „integrativ" gewählt. Was eine effektive, transparente und Gemeinschaft fördernde Methode ist. Kurz gefasst läuft das integrative Wählen so ab:
In der ersten Runde können alle Beteiligten ihren Favoriten für die Wahl – auch sich selbst – vorschlagen und sagen, warum dieser Mensch für diese Aufgabe der richtige ist. So wird viel Anerkennung und Wertschätzung im Raum fühlbar. In der zweiten Runde teilen alle ihre definitive Wahl mit, diesmal ohne Begründung, die Stimmen werden gezählt. Der Moderator schlägt daraufhin einen der gewählten Menschen für die zu wählende Aufgabe vor, in der Regel den mit den meisten Stimmen, und fragt die Runde, ob jemand sachliche Bedenken zu diesem Menschen einzubringen hat. Es geht hier also nicht um Antipathien oder persönliche Ressentiments, diese werden an anderer Stelle bearbeitet. Gibt es sachliche Bedenken, die nicht sofort ausgeräumt werden können, braucht die Wahl einen neuen Anlauf. Sofern es keine Bedenken gibt und der/die Auserkorene die Wahl annimmt, ist es vollbracht. Bei der Wahl des ZEGG-Boards war letzteres der Fall, die Zustimmung von Dorothee Bornath ging einige Tage danach ein.
Das Board ist kein Repräsentationskreis der Gemeinschaft oder der Firma ZEGG GmbH; es hat nicht den Blick auf die Bedürfnisse, Ziele und Anforderungen innerhalb des ZEGG. Dies übernehmen thematische Kreise, beispielsweise der Versorgungskreis oder der Management-Kreis.
Stattdessen vertritt das Board den Zweck, den das ZEGG als „Zentrum für experimentelle GesellschaftsGestaltung" in der Welt hat. Dabei richtet es seinen Blick gleichermaßen auf: Was will das ZEGG in die Welt bringen? UND: Was will die Welt vom ZEGG? Insofern ist das Board Bindeglied der Organisation ZEGG nach außen. Basierend auf dem Gedanken, dass jede Organisation soziale, ökonomische und ökologische Bedürfnisse hat. Und ebenso soziale, ökonomische und ökologische Auswirkungen auf die Welt um sie herum.
„Sobald die Interessen der einen Seite die anderen dominieren, riskieren wir,ein wichtiges Bedürfnis zu verpassen und den Gesamtfortschritt
zu limitieren", schreibt Brian J. Robertson in seiner Einführung in Holacracy. „Um wahrhaft auf nachhaltige Weise zu wachsen und zu gedeihen, muss die Organisation gut mit allen Aspekten (in) ihrer breiteren Umwelt integriert sein – sozial, ökonomisch und auf andere Weisen. Bei Holacracy umfasst (das Board [Anm. d. Red.]) Rollen, die die verschiedenen Bedürfnisse der breiteren Umwelt umfassen, innerhalb derer die Organisation existiert."
Deshalb brauchen die Menschen im Board die Fähigkeit, sich ganz in ihre Rolle hineinzubegeben, sie müssen jenseits ihrer persönlichen Wünsche und Ansichten einen überpersönlichen Blick einnehmen können. „Man sitzt nicht als Ego drin, sondern als Stellvertreter einer bestimmten Qualität", hieß es erklärend im Vorfeld der Wahl.