„Empire Me“ –
Klärende Anmerkungen aus der ZEGG-Gemeinschaft zum Film von Paul Poet
-- Filmstart: 19. Januar 2012 --
„Wer nie anstößig war, hat auch nie Anstöße gegeben."
Reinhard K. Sprenger
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„New worlds are happening", sagt der Regisseur von "Empire me", Paul Poet. Wenn das ZEGG als Teil dieser neuen Welten wahrgenommen wird, dann freut uns das. Denn wir sind nach wie vor überzeugt, dass neue Modelle für gemeinschaftliches, solidarisches Leben not-wendig, ja überlebenswichtig sind – in Zeiten globaler Krisen der Finanz- und Wirtschaftssysteme mehr denn je.
Das ZEGG ist ein pluralistisches, freiheitliches Projekt ohne Guru und Dogma. Was seine BewohnerInnen eint, ist die Absicht, in immer größerer Bewusstheit und Verbundenheit zu leben und zu arbeiten.
Wir haben uns in der ZEGG-Gemeinschaft entschieden, ein Leben zu führen, das sich in mancher Hinsicht vom so genannten normalen Leben unterscheidet. Alternatives und Innovatives muss man ausprobieren, auf Stärken und Schwächen prüfen, wenn es kraftvolle Kulturimpulse werden sollen.
Insofern freuen wir uns über den Enthusiasmus des Films, Beispiele „anderen Lebens" bekannter zu machen. Zugleich ist die Inszenierung von „Empire Me" dazu angetan, das alte Klischee der Sex-Kommune zu bestärken. Die wichtigen Themen unseres gemeinschaftlichen Alltags werden dagegen nur am Rande beleuchtet: Kommunikation und Konfliktbearbeitung, Verständigung und Toleranz gegenüber der Andersartigkeit des Anderen. Das ist künstlerisch verständlich. Und wir wollen dem einige klärende Anmerkungen hinzufügen:
Nein, wir sind kein isolierter Kleinstaat, wie es der Film vermuten lässt. Auch kein Ort, der sich seiner Umgebung verweigert, wie einige Filmkritiker interpretieren. Im Gegenteil, wir suchen und finden den Kontakt mit Menschen und Institutionen in Bad Belzig, der Region Hoher Fläming und darüber hinaus. Seit 20 Jahren bringen wir uns aktiv ein – politisch, ökonomisch, sozial, kulturell. Entsprechend bezeichnete der Landrat des Kreises Potsdam-Mittelmark, Wolfgang Blasig, das ZEGG erst kürzlich als einen „Segen für die Region". Trotz und wegen alternativer Lebensweise.
Nein, EMPIRE ME zeigt nicht „das Leben im ZEGG", wie es in Ankündigungen heißt. Der Film streift es und legt den Akzent auf dramaturgisch interessante Bilder. Unsere besondere Kompetenz liegt in neuen Formen der Kommunikation in allen Lebensbereichen. Den Fragen rund um die zwischenmenschliche Liebe messen wir dabei nach wie vor nicht nur persönliche, sondern hohe gesellschaftliche Bedeutung bei.
Ja, als ZEGG-Gemeinschaft erforschen wir intensiv die Themen Liebe, Sexualität und Partnerschaft. Dies tun die Individuen der Gemeinschaft auf sehr verschiedene Art und Weise. Einige pflegen mehrere sexuelle Freundschaften, einige leben monogam, einige verzichten zeitweise ganz auf Sexualität. Entgegen anderslautender Gerüchte gibt es im ZEGG gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen und dauerhafte, verpflichtete Partnerschaften. Ein stabiles und kreatives System menschlicher Beziehungen kann nur in Vielfalt gedeihen.
Ja, wir halten es für richtig, Sexualität und Sinnlichkeit zu enttabuisieren. Für uns gehört gerade die nicht-sexuelle Sinnlichkeit, die zärtliche Begegnung ohne sexuellen Anspruch, zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Die im Film gezeigte Situation von nackten Menschen in warmem Öl zeigt eine solche sinnliche, nicht-sexuelle Erfahrung, in der es vor allem um achtsame Berührung und Wahrnehmung geht. Meist erleben dies die Teilnehmer als tiefe, beglückende Vertrauenserfahrung. Dass dies in der Presse zum Teil als gruppensexuelles Happening bezeichnet wird, ist irreführend. Die Öl-Aktion ist auch für uns ein nicht-alltägliches Experiment. Getragen wird es, wie unser gesamtes Gemeinschaftsleben, vom Respekt für die Verschiedenheit, die Würde und die Grenzen der Beteiligten.
Nein, wir propagieren nicht die Rettung der Welt durch möglichst häufigen Sex mit möglichst vielen Partnern, wie Kritiker immer wieder behaupten. Wir üben uns in der Gemeinschaft, offen und ehrlich über unsere Vorlieben und Wünsche, unsere Schwierigkeiten und Freuden zu sprechen. Wir wollen Lebensformen entwickeln, die Liebe und Sexualität als Lebensquellen bewusst und positiv integrieren. Dabei orientieren wir uns an den Werten Gewaltfreiheit und Transparenz.
Das „E" in unserem Namen steht für „experimentell", und manche unserer Experimente haben Irritationen hervorgerufen, von Zeit zu Zeit auch berechtigte Kritik. Im Lauf der Jahre haben wir jedoch gelernt, dass soziale Experimente eigentlich gar nicht misslingen können – sofern alle Beteiligten bereit sind, immer wieder mit- und voneinander zu lernen. Die emotionale und intellektuelle Reflexion ist deshalb ein Herzstück unseres Zusammenlebens.
Wir stellen uns den Fragen und Einwänden von Menschen, die dem ZEGG von heute oder seiner Geschichte skeptisch gegenüberstehen. Wer mit uns ins Gespräch kommen möchte, ist herzlich eingeladen, Kontakt aufzunehmen.
Wer sich für den Forschungsaspekt der „Liebe als soziales Kunstwerk" im ZEGG interessiert, findet in dem gleichnamigen Buch reichhaltige Anregungen (Verlag Freimut & Selbst):
www.freimutselbst.de/zeitgeist/978-3-842364-26-4.html
Wer mehr wissen möchte zur Intention von Öl-Aktionen, findet Interessantes im Text „Wie ein Fisch im Wasser" von Tantra-Lehrer und Diplom-Psychologe Silvio Wirth:
www.secret-of-tantra.de/publikationen.phtml
Weil immer wieder gleiche, oft längst überholte Texte – im Internetzeitalter aber stets abrufbar – seit Jahren unsere Arbeit beeinträchtigen, haben wir auf unserer Webseite eine ausführliche Stellungnahme veröffentlicht:
www.zegg.de/zegg-gemeinschaft/zegg-kontrovers.html
Das Öl- und Schlicker-Ritual gehört zu unserem Kursprogramm, es wird einmal pro Jahr angeboten als Sanfter Jahresausklang, der uns die Welt neu wahrnehmen lässt.
Kontakt:
ZEGG – Zentrum für Experimentelle Gesellschafts-Gestaltung
Barbara Stuetzel, Öffentlichkeitsarbeit
Rosa-Luxemburg-Straße 89
14806 Bad Belzig
Tel: 033841 799485
E-Mail:
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Empire me - Anmerkungen