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Ausbildung im Öko-Landbau

Der Bewerbungsprozess für 2017 ist abgeschlossen!



LesbosEs ist ein passender Tag, um ein Interview zu führen. Gerade hat Janus seine letzten Sachen ins Haus getragen – und damit ist der letzte der neuen Bewohner eingezogen. Denn das Weiße Haus (für ZEGG Gäste – das neben dem San Diego Café) ist nach umfangreicher Renovierung Domizil für eine neue soziale Gruppe im ZEGG geworden - die Gruppe Lesbos hat nach 1 1/2 Jahren ein Zuhause gefunden. Janus, Charlotte und Ami erzählen mir von ihren Träumen und ihrer Realität.( v.l.nr. Svenja, Charlotte, Artemis)

Janus: Wir wohnen jetzt mit sieben Menschen hier, vier Frauen schlafen in zwei Zimmern und Jonathan, Marius und ich in einem. Dann gibt es noch 2 Wohnräume mit anderen Funktionen und drei Zimmer werden noch renoviert. Eigentlich sind wir elf in der Gruppe. Zwei Menschen sind für ein halbes Jahr auf Reisen, Lily wohnt außerhalb des ZEGG und Svenja hat sich entschlossen, nicht mit einzuziehen.

Barbara: Aber dass ihr nicht jede ein Zimmer habt, ist geplant?

Charlotte: Für viele von uns ist das klar. Aber wir hatten das nicht vorgeschrieben. Ami möchte z.B. jetzt ihr eigenes Zimmer. Und das ist spannend, weil es wichtige Fragen aufwirft. Dass wir uns entspannen wollen zu Hause ist ja klar. Die Frage ist, brauche ich dazu mein eigenes Zimmer? Wie kann ich mich mit Menschen entspannen, klar haben, wann ich Kontakt will und wann nicht? Wenn wir funktional wohnen, also gemeinsame Schlaf- und Wohnräume haben, dann erschaffen wir uns damit eine Notwendigkeit, das innerlich klar zu kriegen und zu wachsen. Und das hilft hier im ZEGG auch in anderen Situationen, im Restaurant z.B.

Ami: Ich habe bereits in der Alten Sauna 9 Monate lang funktional gelebt und bin damit schon durch bestimmte Prozesse gegangen. Das eigene Zimmer ist für mich jetzt gerade einfach dran.

Barbara Und wie macht ihr das jetzt, wenn jemand ein Zimmer will?

Ami: Ich werde probeweise für 2 Monate ein eigenes Zimmer haben, in der Zeit, in der eine Mitbewohnerin weg ist. Danach werden wir gemeinsam wieder auf die Situation schauen. Im Vertrauen, dass wir Raum für alle Bedürfnisse und unterschiedliche Strategien haben.

Barbara: Wie seid ihr überhaupt zusammen gekommen? Und was verbindet Euch?

Janus: Wir haben ja im Hauptgebäude schon zusammen gewohnt, in der Einsteigeretage. Das Wohnzimmer hieß Capri. Ami Wir haben uns ein bisschen lustig gemacht über den Namen, er war so kitschig. Das war in Zeiten der Griechenland- und Flüchtlingskrise und da fiel uns eben der Name Lesbos ein. Wieder eine Insel, aber eben auch eine Assoziation zu den Flüchtlingen und eine Einladung zu mehr sexueller Diversität im ZEGG. Wir waren damals Saisoniers, Einsteiger, FÖJs – und haben eine Heimatgruppe jenseits der Saisoniers aufgebaut. Uns einfach jeden Mittwoch abend getroffen.

Charlotte: Ich hatte stark den Wunsch nach einer Gruppe, die ein commitment miteinander hat. An Ostern 2015 (beim Trance Tanz Event) habe ich dafür getanzt, meinen Tribe zu finden. Also eine Gruppe, die verbindlich miteinander lebt, zusammen kreativ ist, miteinander Kinder aufzieht. Davon habe ich einigen der jetzigen Lesbos-Menschen erzählt. Wir haben das Love Clan genannt. Zuerst habe ich aber die Gruppe, die sich gebildet hat, gar nicht damit in Verbindung gebracht.

Barbara: Aber irgendwann schon…

Charlotte: Ja, später habe ich gemerkt: da ist er ja, mein Tribe.

Barbara: Und was verbindet Euch?

Charlotte Wir sind alle zwischen 20 und 30 Jahren….

Janus: …und wir haben Lust, gemeinsam in Prozesse einzusteigen. Einige von uns haben ja einen Hintergrund von GFK (Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg) oder Possibility Management (von Clinton Callaghan) – das unterstützt uns. Wir haben schon viel miteinander gelernt, wie wir anders denken. Und können da jetzt miteinander sein, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen haben. Früher gab es immer Streit, wenn ich z.B. von Hierarchie gesprochen habe, jetzt ist das schon viel bewusster, wo es Hierarchie gibt.

Barbara: Dazu spielt ihr ja auch immer wieder ein Spiel: das Königskartenspiel. Wie geht das?

Janus: Das habe ich vorgeschlagen. Wir spielen es mal 2, mal 4 Tage. In der Zeit wird gemacht, was der König sagt. Es verbindet absolute Herrschaft mit totaler Anarchie – es kann absolute Führung geben, wenn Menschen einen Impuls haben und Verantwortung dafür übernehmen – und die Herrschaft kann jederzeit wechseln. Es ist wie eine Verdichtung, wo Sachen sichtbar werden. Die Grundfrage ist: wie kannst du als Mensch verantwortlich sein mit dem, was du willst?

Barbara: Habt ihr außerhalb des Spiels bestimmte Commitments?

Ami: Nicht wirklich. Wir treffen uns mittwochs abends als Heimatgruppe – aber selbst das ist nicht unbedingt verbindlich. Das wird jetzt spannend, wenn wir ganz zusammen leben, ob wir eine gemeinsame Absicht haben. Bis jetzt ist es eher so, dass wir vor allem Interesse an den Prozessen der anderen haben. Und uns eben gegenseitig dabei unterstützen, unsere eigene Absicht zu finden…

Barbara: Und wie hängt Eure Gruppe mit dem ZEGG zusammen?

Janus Für mich ist die Gemeinschaftsforschung im ZEGG total wichtig. Und ich will sie intensiver haben, dazu brauche ich einen kleineren Kreis, wo mehr Prozesse bewusst passieren, wo es dichter ist.

Charlotte: Für mich ist das Thema freie Liebe zentral – und da ist es wichtig, im ZEGG zu sein. Ich sehe uns als eine Generation in dem Ganzen. Uns verbindet, dass wir als Gruppe im gleichen Alter sind, das ist wie ein Schutzraum, um unsere Träume nicht zu früh zu zertrampeln. Denn oft habe ich noch gar keine Worte für meine Träume – und werde innerhalb meiner Generation schneller verstanden.

Ami: Ich könnte mir die Gruppe auch nicht ohne das ZEGG vorstellen, ohne das Feld des ZEGG wäre es schwerer, Prozesse zu halten. Ich sehe, wie viel wir befruchtet werden und auch wie viel wir reingeben in das Feld.

Barbara: Und was wünscht ihr Euch vom ZEGG?

Janus: Ein zentrales Thema für junge Leute ist auch die Finanzierung hier am Platz: wie kann ich mich ausbilden, hier einsteigen und gleichzeitig Geld verdienen – da hoffen wir, dass es für junge Menschen auch unkonventionelle Wege geben kann in Bezug auf Miete und Einstiegsgeld, denn alles gleichzeitig hinkriegen, ist ganz schön schwer.

Barbara Vielen Dank für Eure Zeit – und Eure Ernsthaftigkeit an Euren Themen dran zu bleiben.



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Im ZEGG leben 100 Menschen gemeinschaftlich zusammen. Wir sind Modellprojekt für ein sozial und ökologisch innovatives Leben und Wirtschaften. Dabei interessiert uns, wie nachhaltige Entwicklung funktioniert - für jede/n Einzelne/n und für die Gesellschaft als Ganzes. Wir legen Augenmerk auf die sozialen, spirituellen, ökonomischen und ökologischen Aspekte dessen, was wir tun.