Als die Gemeinschaft 1978 gegründet wurde, wollten wir eine neue Kultur schaffen, die frei ist von Gewalt und die mit der Natur kooperiert. Dazu brauchten wir einen starken menschlichen Prozess, der Vertrauen unter uns schaffen konnte. Das war die Geburtsstunde von dem, was wir heute das ZEGG-Forum nennen. Inzwischen hat sich die Methode des Forums von unserer Gemeinschaft hinaus in die Welt hinein verbreitet. Viele Gemeinschaften in vielen Ländern haben den Prozess von uns gelernt und nutzen ihn beim Aufbau ihrer eigenen Gemeinschaften. Für uns ist es eines der besten Werkzeuge, um den Zusammenhalt einer Gemeinschaft oder einer Organisation zu stärken.
Transparenz schafft Vertrauen
ZEGG-Forum ist ein tief greifender und intimer Prozess für Gruppen bis zu 50 Teilnehmern. Es geht darum, alles zu entdecken, was in uns authentisch, lebendig und wahr ist. Forum schafft einen Raum von Öffnung und Vertrauen unter Menschen. Die Teilnehmer erfahren die Freiheit und die Erlaubnis zu sein, wer sie sind und den Anderen zu erlauben sie so zu erleben. Oft sehen wir "den Blick der Anderen als den Tod meiner Möglichkeiten". Im unterstützenden Umfeld des Forums können wir spüren, wie der Blick der Anderen der Heilung, dem Wachstum und der eigenen Ermächtigung dienen kann. Wir können die Erfahrung machen, wie ich beschützt bin, wenn ich mich verletzlich mache und, dass mein größter Schutz meine größte Offenheit sein kann. Auf dieser inneren und äußeren Reise werden wir natürlich auch unseren verkapselten Schmerzen begegnen, die in unserem Schatten liegen. Wenn wir es schaffen präsent zu bleiben, werden wir fähig, die aufsteigenden Gefühle anzunehmen und gestärkt weiterzugehen.
Forum unterstützt alle Beteiligten sich jenseits von Höflichkeit und den üblichen Versteckspielen zu bewegen. Ein Mensch, der verbunden ist mit seiner oder ihrer inneren Wahrheit, egal wie verletzt er/sie sein mag, ist immer schön und wird Liebe schaffen. "Sehen ist lieben" ist eine häufige Erfahrung der Forumsarbeit.
Wie funktioniert es praktisch?
Im Forum gibt es drei wichtige Rollen: den Darsteller, die Forumsleitung und die "Spiegel". Die Gruppe versammelt sich im Kreis. Die Darstellerin geht in die Mitte und teilt mit, was in ihr gerade vor sich geht und sie bewegt. Sie kann den gesamten Raum in der Mitte nutzen, sich bewegen, sprechen, spielen und sich mit ihren Gefühlen verbinden. Das einzige Ziel ist es, authentisch zu werden. In der Mitte können die Umsitzenden besser auf allen Ebenen "zuhören", nicht nur verbal intellektuell, sondern auch die Bewegungen wahrnehmen und den Klang der Stimme und die Energie der Person.
Der Kreis unterstützt die Darstellerin mit seiner konzentrierten liebenden Präsenz. Seine Rolle ist es wahrzunehmen und den Prozess als Zeuge zu begleiten. Es kann sehr kraftvoll und berührend sein, jemanden in der Mitte wahrzunehmen, der tiefer geht. Oft berühren die Themen des Einzelnen die Menschen im Kreis sehr und deren eigene Prozesse werden angestoßen. Wir erkennen, dass unsere eigenen emotionalen Vorgänge ähnlich sind und dass alles, was in der Mitte passiert, Beispielcharakter hat.
Die Forumsleiter spielen eine zentrale Rolle und brauchen eine gründliche Ausbildung. Sie müssen selber authentischer werden und lernen, mit den Gefühlen dableiben zu können, die in einem selbst oder im Kreis aufkommen. Forumsleiter sind wie Geburtshelfer, die den authentischen Prozess des Darstellers unterstützen. Idealerweise gibt es zwei Leiter, eine Frau und einen Mann. Nur die Leiter interagieren mit der Darstellerin in der Mitte. Sie stehen im Vertrauen der Gruppe ihrer Erfahrung und Intuition folgend zu handeln. Die Aufgabe eines Forumsleiters ist es die persönliche Wahrheit einer Person, ihre Kraft und höchstes Potential hervorzulocken, damit sie und die Gruppe es wahrnehmen können.
Empathie - Unterstützung durch soziale Rückkopplung
Sobald die Darstellerin fertig ist, können andere in die Mitte gehen und mitteilen, was sie wahrgenommen haben. Wir nennen das einen "Spiegel" geben. Es bedeutet, dass Menschen aus dem Kreis ihre Sichtweise und Beobachtungen anbieten. Es ist ein Geschenk für die Darstellerin zu erfahren, was andere über sie zu dem Auftritt denken oder empfinden und was auf allen Ebenen aufgefallen ist. Auf der Suche nach Selbsterfahrung ist soziale Rückkopplung ein unverzichtbarer Bestandteil. Der Spiegel wird in der Mitte gegeben, um zu unterstreichen, dass es der persönliche Blickwinkel dessen ist, der den Spiegel gibt. Jeder Spiegel ist subjektiv und das ist auch gut so. Die Darstellerin trägt die Verantwortung, die Spiegel anzunehmen oder zu verwerfen, je nach dem, ob etwas innere Resonanz erzeugt oder nicht. Selbst der beste Spiegel ist nur ein Wegweiser; er bewahrt uns nicht davor den Weg selber zu gehen.
Ein gutes und gelungenes Forum wird gefürchtete Schatten so hervorlocken, dass sie ohne Urteil wahrgenommen werden können. Manchmal ist der Energiewechsel sehr subtil, wenn z.B. der Forumsleiter den Darsteller einlädt, sich schneller zu bewegen, Gesten zu übertreiben oder Gefühlen einen Ton zu geben. Das humorvolle Einnehmen verschiedener Verhaltensweisen und das theatralische Spielen von emotionalen Vorgängen unterstützen den Darsteller, sich von seinen emotionalen Zuständen zu entkoppeln. Er lernt, dass er mehr ist als nur seine wechselnden Emotionen.
Wir sehen das Forum als einen Beitrag für die Welt, die wir schaffen wollen – eine Welt die sich tief aus den Herzen der Menschen entwickelt. Forum ist Teil der Verbindung, die unsere Gemeinschaft lebendig und zusammen hält. Es ist im Herzen der Gemeinschaft.
Weiterführende Texte zum Forum: Hier
Das Forum
