Altstadtfest 2015 2Vor kurzem war mal wieder ein Freund zu Besuch und ich habe einen Ausflug vorgeschlagen. Wir fuhren gemütlich mit dem Fahrrad durch die Dörfer und ich begann zu erzählen, wer hier so alles wohnt und was wir schon miteinander erlebt haben. Und ich kam aus dem Erzählen gar nicht mehr raus. Dabei fiel mir mal wieder auf: Bei vielen Menschen, die hier in der Region aktiv sind, gibt es einen Bezug zum ZEGG.


Dieser war in der Jahresgruppe oder ist der Sohn von einem der mal bei uns gelebt hat, die andere ist aus dem ZEGG ausgezogen oder nach der Saisonierzeit hiergeblieben und die nächsten sind dann gekommen, weil so viele interessante Menschen aus dem ZEGG in der Region wohnen.

Anfangs haben sich viele hier in der Nachbarschaft niedergelassen, um in Kontakt mit dem ZEGG zu sein. Inzwischen hat die Region selbst so eine Attraktivität gewonnen, dass sie unabhängig von uns ausstrahlt.

Neue Gemeinschaften, WGs, Familien und Singles – viele zählen sich zur Fläming Gemeinschaft, sind über einen Emailverteiler vernetzt und über Freundschaften/ Bekanntschaft verbunden. Man trifft sich im Bioladen in Lübnitz, in Mals Scheune beim Konzert, beim Kunstbummel in einem der vielen Ateliers, in der Fläming Sauna im ZEGG, in einer Vollmondschwitzhütte, beim Singen oder einfach bei einem der vielen Feste, über die offen im Fläming Verteiler eingeladen wird. Die Menschen, die wegen einer alternativen Region herkommen, sind spezielle Menschen – Kulturkreative, die ihr Umfeld gestalten wollen. Und so bringen sie aktiv Akzente in die Region: Waldkindergarten und Freie Schule (eine Oberschule ist in Gründung), Bürgerjournalismus (Fläming 365), Kunstverein Hoher Fläming, ein Projekt mit Geflüchteten, Theaterprojekte, Bürgerdialoge. Manche Projekte ändern sich – so hatte die Solidarische Landwirtschaft eine Pause und startet nun mit neuen Gärtnern, die Regionalwährung pausiert, eine Lammherde wurde von Wölfen gerissen.

Die vielen Aktivitäten werden von den Belziger Bürgern unterschiedlich aufgenommen. Von manchen wird alles über einen Kamm geschert und jeder, der eine bunte Fahne im Garten hat oder barfuß läuft, zum ZEGG gezählt. Aus diesem Blickwinkel kommt auch die Lesart, das ZEGG kaufe alles in der Region auf. Dies zu hören hat uns immer wieder verwundert. Denn „das ZEGG“ saniert seit fast 30 Jahren nach und nach die Gebäude auf dem Gelände, da bleibt kein Geld und keine Energie übrig, um in der Region etwas aufzukaufen. Andere sind froh über die vielen Impulse und erkennen an, welchen Einfluss unser Projekt auf die Regionalentwicklung hat. Denn im Gegensatz zu anderen Regionen in Brandenburg wo die Bevölkerung ausdünnt, ziehen hier viele Menschen zu. Und doch fehlt trotz diesem positiven Einfluss immer wieder eine Anerkennung der Alternativkultur. Denn die Gefahr ist natürlich: je stärker eigene Strukturen aufgebaut werden, desto weniger vermischen sie sich denn auch mit den gewachsenen Strukturen in der Kleinstadt Bad Belzig. Und nur wenige finden den Weg in den Kirchenchor oder die Feuerwehr… Dies kann einer der Gründe sein, dass es derzeit eher ein wohlwollendes Nebeneinander als ein wirkliches Miteinander ist.

Corona befördert dies natürlich noch. Viele Begegnungsmöglichkeiten fallen weg. Wir hoffen, dass diese Pause dazu dient, neue Kräfte zu sammeln, weiterhin die Region a(ttra)ktiv mitzugestalten und aus dem erzwungenen Rückzug später erneut neugierig aufeinander zuzugehen.

Von Barbara Stützel



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Im ZEGG leben 100 Menschen gemeinschaftlich zusammen. Wir sind Modellprojekt für ein sozial und ökologisch innovatives Leben und Wirtschaften. Dabei interessiert uns, wie nachhaltige Entwicklung funktioniert - für jede/n Einzelne/n und für die Gesellschaft als Ganzes. Wir legen Augenmerk auf die sozialen, spirituellen, ökonomischen und ökologischen Aspekte dessen, was wir tun.

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