Sommercamp2021Vom 21.7.-1.8. fand im ZEGG das 30. Sommercamp statt. 135 Gäste erlebten eine intensive Zeit mit vielen Inspirationen und auch einigen Herausforderungen. Wegen der Hygiene-Maßnahmen war die Teilnahmezahl wie schon letztes Jahr beschränkt. Wir mussten zudem auf das Kindercamp verzichten, wodurch es leider vielen Familien und Eltern nicht möglich war zu kommen.

Das Leitungsteam bestand aus Achim Ecker und Ina Meyer-Stoll sowie Christa Leila Dregger, die ebenfalls zur ZEGG-Gründungsgeneration gehörte, aber vor 18 Jahren nach Tamera in Portugal zog. Gemeinsam wählten sie das Motto: "Kulturwandel 2.1 - Die Entscheidung". Das Camp verfolgte die Absicht, nicht nur Gästen, sondern auch der ZEGG-Gemeinschaft neue Impulse für den gemeinsamen weiteren Weg zu geben.

"Angesichts der weltweiten Polarisierungen und Zuspitzung von Krisen wollten wir uns über die Vision einer neuen Kultur verständigen: eine Kultur der Verbundenheit allen Lebens, eine berührbare Gesellschaft, die auf Vertrauen, Kooperation und echter Nähe basiert.", so Achim Ecker. Die Eröffnungsperformance setzte einen ersten Impuls dazu. Die These: Wir sind alle Terranauten - ob wir uns daran erinnern oder nicht und was auch immer wir für Identitäten für unseren Aufenthalt auf diesem Planeten Erde gewählt haben. Wir alle sind hier mit einem Auftrag, die Welt vom kollektiven Trauma zu befreien.

Die Vormittage im Großzelt folgten einem inhaltlichen Bogen - von der Fülle und der Ganzheit  (Ina Meyer-Stoll: Die Welt ist eine Liebesaffäre) über die Konfrontation mit dem Schmerz der Welt (Christa Leila Dregger: Aller Schmerz ist Trennungsschmerz) über den Versuch einer ganzheitlichen Politik (Emil Friis: Bewusstseinsevolution) zum Thema der Entscheidung (Achim Ecker: Die Entscheidung). "Die Welt, die wir erleben, ist aus den Entscheidungen entstanden, die jeder von uns einmal getroffen hat, bewusst oder unbewusst. Welche Entscheidungen wollen wir jetzt bewusst treffen, um eine berührbare und nachhaltige Gesellschaft zu schaffen, eine neue Kultur? Das alte Normal hat ausgedient, welches Normal wollen wir?", so Achim Ecker in seinem Vortrag.

Die nächsten Vormittage thematisierten die innere Arbeit (Michael Anderau: Wohlfühlen ist kein Maßstab; Kolja Güldenberg und Frieda Radford: Autonomie und Hingabe; Dolores Richter: Intimität und Transformation, Achim Ecker: Gemeinschaft als Haltung). Wir tauchten tiefer und intimer ein in die Bereiche, die uns am meisten steuern: Die Sehnsucht nach Liebe, Nähe und Begegnung – und die Muster, die uns davon trennen. Die Referent*innen teilten Erfahrungen aus der eigenen authentischen Liebes- und Bewusstseinsforschung. Hier sprachen Menschen, die mit großem inneren Einsatz ihrem Leben eine bewusste Ausrichtung für Liebe und Wahrheit gegeben haben und diese nach Jahrzehnten des Lebens in Gemeinschaft auch verkörpern.

Gefolgt wurden diese Einblicke in Innenarbeit von einem Podiumsgespräch zum Thema "Integrale Perspektive und Gemeinschaftsperspektive begegnen sich". Der integrale Coach und Unternehmensberater Rolf Lutterbeck führte in die Perspektive der Bewusstseinsevolution ein, in die verschiedenen Phasen der inneren Gesellschaftsentwicklung, ihrer Werte und Ausrichtung. Anhand seiner Bewusstseinslandkarte konnten viele die unterschiedlichen Ansichten besser einordnen. Im Gespräch erörterten Lutterbeck, Felix Krolle von der Bewusstseinsentwicklungsgemeinschaft Go&Change sowie Christa Leila Dregger und Ina Meyer-Stoll, wo die verschiedenen Gemeinschaften in diesem Ringen um mehr Bewusstsein und Liebe stehen.

Ein weiterer Höhepunkt war der Beitrag von Heini Staudinger aus Österreich, Gründer der GEA-Waldviertler Schuhfabrik. Mit viel Herzblut verkörpert er, was Unternehmertum zu Zeiten der Krise heißen könnte. Hier gibt es einen Beitrag über Heini Staudinger sowie das Video seines Vortrags..

Die Festival-Band ist ein fester Bestandteil der ZEGG-Events. In diesem Jahr trug sie durch gute Abstimmung mit den Vorträgen besonders gut dazu bei, im Zelt für eine passende Stimmung zu sorgen und die Themen zu vertiefen und landen zu lassen. Übungen, Kraftgänge und Nachgespräche halfen weiter, die Inhalte zu verdauen und für sich zu integrieren.

An den Nachmittagen trafen sich die Teilnehmer in den aus anderen Festivals bekannten Vertiefungs- oder Heimatgruppen. Dort konnten sie die Themen auch anhand des eigenen Lebens reflektieren. Das Festivalprogramm wurde abgerundet durch Abendangebote wie Partys, Konzerte im Kunst-Café sowie Männer-, Frauen- und Queergruppen. So viele Teilnehmer*innen interessierten sich für die Queergruppe, dass sie sich zusätzlich täglich zum Mittagessen trafen. Es entstanden lebendige Gespräche über Geschlechteridentitäten und die Autonomie der sexuellen Entscheidung.

An vier Abenden luden einige Menschen aus dem ZEGG die Gäste ein, eine Innenarbeits-Form kennenzulernen, mit denen sie seit einer Weile arbeiten: die "Wir-Räume". Dazu hatten sie Freunde aus anderen Gemeinschaften als Unterstützung eingeladen. Hier lag eine der Herausforderungen des Festivals. Diese Methode verlangt einen guten Schuss Vorschussvertrauen in die Leitung, gleichzeitig die Bereitschaft, den Raum durch die eigene Haltung und Beiträge aktiv mitzugestalten, bereit zu sein für Spiegel und Feedback und verschiedene Verhaltensweisen als destruktiv oder konstruktiv anzuerkennen. Um diese Räume gab es intensive Diskussionen - die einen fanden sie zu autoritär, andere ein Ausdruck für die nächste Stufe der Bewusstseinsentwicklung. Jedenfalls wuchs das Interesse daran im Laufe des Camps immer mehr an. Nach verschiedenen Auseinandersetzungen erlebte die Gruppe am Ende große Nähe und eine tiefe Wahrheitsebene.

Die Wir-Räume und auch andere Momente des Sommercamps lösten unter Gästen wie Gemeinschaftsmitgliedern intensive Diskussionen aus. Die Frage, welche Methoden Bewusstseinsentwicklung unterstützen oder verhindern, wird auch in Zukunft weiteren Gesprächsstoff in der ZEGG Gemeinschaft bieten. Denn die Frage steht im Raum, wie wir in der Gemeinschaft unsere Innenarbeit in Zukunft gestalten wollen, so dass wir ein noch wirksamerer Beitrag für eine berührbare Gesellschaft werden.

Schließlich war gelungen, was das Team sich gewünscht hatte: Wir haben in den elf Tagen die Gesellschaft, die wir in der Welt anstreben, ein Stück weit miteinander gelebt. Wir haben uns über unsere Werte, Perspektiven und unsere Verantwortung verständigt - nicht nur durch den Austausch von Ideen, sondern von einem Punkt wahrhaftiger Berührung aus.

Das zeigte auch das gelungene Fundraising. Wir bedanken uns an dieser Stelle sehr für die Bereitschaft und Freude so vieler Menschen, das ZEGG mit einem finanziellen Beitrag zu unterstützen.

Alle Vormittage wurden gefilmt und können nachträglich angeschaut werden. Das vollständige Programm und mehr Informationen über die Redner*innen und ihre Beiträge können hier nachgelesen werden: sommercamp.zegg.de

Fotos vom Sommercamp 2021 gibt es hier.



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