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LucieLucie Veith ist intersexuell und Expert_in für Intersexualität. Am Freitag, 2.12. kam sie für einen öffentlichen Vortrag über Intersexualität ins ZEGG. Rund 40 Menschen aus der ZEGG-Gemeinschaft und dem Fläming waren gekommen.

Das ZEGG ist ja bekannt für seine heilende Arbeit zum Thema Beziehung und Sexualität. Dazu gehören auch Frauen- und Männergruppen und entsprechende Begegnungsräume, um Menschen ein fühlendes Ankommen in ihrer Geschlechteridentität zu ermöglichen. Unsere Arbeit ist also oft geprägt von Zweigeschlechtlichkeit. Schon lange kommen aber auch Menschen ins ZEGG, die sich nicht klar eine der beiden Geschlechteridentitäten einordnen können. So auch Lucie Veith, die vor Jahren schon mit 40 anderen intersexuellen Menschen für ein Vernetzungstreffen im ZEGG gewesen ist. Zusätzlich haben uns das Feedback und die Wünsche unserer Gäste dazu bewegt, uns stärker mit Geschlechteridentitäten und unterschiedlichen Formen des Begehrens auseinandersetzen.

Was ist eigentlich Intersexualität?

In Deutschland gibt es 150.000 intersexuelle Menschen. Intersexuell sind Menschen, die mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen geboren werden oder eine Mischung aus männlichen und weiblichen biologischen Eigenschaften besitzen. So z.B. eine äußere Vagina und Hoden im Innenraum. Von Körperzellen über Chromosomen und Hormone bis hin zur äußerlichen Form des Körpers gibt es viele Varianten, wie ein Mensch beschaffen sein kann. Mehr als 4000 Varianten von geschlechtlicher Entwicklung sind wissenschaftlich dokumentiert. Ab wann ist ein Mensch dann ein Mann oder eine Frau? Und ist es wirklich so wichtig, hier klar zu unterscheiden? Sind es nicht vielmehr unsere Wünsche und unser Begehren, die unser geschlechtliches Leben ausmachen?

Mann oder Frau?

Unsere Gesellschaft unterscheidet beim Personenstand und in der Medizin sehr eindeutig. Die meisten Kinder, die intersexuell geboren werden, werden an ihren Genitalien und Sexualorganen operiert, damit sie einem Geschlecht zugeordnet werden können. Auch erwachsene oder jugendliche intersexuelle Menschen werden häufig in diese Richtung beraten. Die Folgen sind schwer: Verlust des Körpergefühls, weniger Vitalität durch veränderten Hormonhaushalt, Schmerzen und Einschränkungen durch operativ hergestellte Genitalien, Traumatisierung und das Stigma des Nicht-Normal-Seins … mit all dem und mehr haben die Betroffenen zu kämpfen. Dabei ist es mehrheitlich so, dass intersexuelle Körper funktionieren und keinerlei medizinische Gefahr besteht.

Niemand darf aufgrund seines Geschlechtes diskriminiert werden, sagen die Menschenrechte. Dennoch werden intersexuelle Menschen bis heute gezwungen, sich als Mann oder Frau eintragen zu lassen. Es geht auch anders: So war es bis 1937 möglich, sich als Zwitter in das Personenstandsregister eintragen zu lassen. Das preußische Landrecht sah sogar eine Wahlmöglichkeit für die Betroffenen im Alter von 21 Jahren vor. So könnte das soziale Geschlecht auch in Zukunft wieder wählbar sein.

Was heißt das für uns?

Gegen Ende des Abends erfuhren wir Lucies persönliche Geschichte, welche unser aller Perspektive erweitert und unser Mitfühlen bereichert hat. Was all das nun im zwischenmenschlichen Kontakt bedeutet oder gar in der Toilettenfrage, darum ging es dann beim Workshop am Samstagvormittag. Hier traf sich ein kleiner Kreis von Menschen aus der Gemeinschaft mit Lucie. Wir haben Fragen gestellt und eine Aufstellung zu unserer eigenen Geschlechtlichkeit gemacht. Schnell wurde klar, wie sehr sich unsere Selbstwahrnehmung im Laufe des Lebens verändert: Wie habe ich mich wahrgenommen mit 10 Jahren, mit 14 Jahren, mit Anfang 20 und mit 40 Jahren? Fazit: Weder das selbsterlebte Geschlechtsempfinden noch das Begehren sind in Stein gemeißelt.

Zum Abschluss setzten wir uns beim Mittagessen mit Lucie zusammen, um auf mögliche nächste Schritte zu schauen, die wir im ZEGG gehen wollen. Wir werden in jedem Fall stärker über queere Lebensweisen und Inklusion aller Menschen nachdenken.

An dieser Stelle nochmal ein Dank an die Akademie Waldschlösschen, die den Vortrag und Besuch von Lucie mit gefördert hat.

 



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Im ZEGG leben 100 Menschen gemeinschaftlich zusammen. Wir sind Modellprojekt für ein sozial und ökologisch innovatives Leben und Wirtschaften. Dabei interessiert uns, wie nachhaltige Entwicklung funktioniert - für jede/n Einzelne/n und für die Gesellschaft als Ganzes. Wir legen Augenmerk auf die sozialen, spirituellen, ökonomischen und ökologischen Aspekte dessen, was wir tun.

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