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WebWorker für Joomla! gesucht

Wir suchen ein bis zwei Personen mit guten bis sehr guten Kenntnissen in Joomla!, die Lust hat in unserem hauseigenen Team an der Neugestaltung unser Internetpräsenz mitzuarbeiten.

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Rachel Edwards.kleinIch stehe auf einem kleinen Stück Wiese, das von kleinen begärtnerten Ackerflächen umgrenzt wird. Auf der Wiese stehen einige Obstbäume. Einige noch grün, andere bereits im weißen, vollen Blütenkleid. Auch die Wiese blüht. Kleine Gänseblümchen strecken ihre Köpfe durch die Lücken meiner Zehen und allerlei Schmetterling und anderes Insektengetier brummt und summt und eiert durch die mit Licht durchzogene Luft. Ich schau zu dem jungenhaften Mann vor mir.

Die Sonne scheint ihm auf seinen nackten Rücken. Er steht in einer abgenutzten Hose voller Erde mit dem Rücken zu mir gewandt. Sein Blick folgt dem Toben und Spielen einer weiß-braun gefleckten Katze, die sie zwischen den großen Rhabarberblättern herumjagt. Seine langen schmalen Hände sind voller Erde. Auch meine Hände und Knie sind ganz schwarz und ich erinnere mich an das Gefühl noch vor einigen Minuten schwere Schaufeln voll Erde aus einem Loch gehievt zu haben. Mein Körper ist angenehm erschöpft. Wir haben etwas geschafft heute. Ich löse meinen Blick von meinen Händen und schaue wieder hoch. Jonathan schaut mich an. Meine Brust wird weit und ich merke wie meine Mundwinkel sich wie von selbst leicht nach oben ziehen. Ich falle. Ich falle und falle in den Raum zwischen uns, während sich unsere Blicke zärtlich berühren. Ich bin verliebt. In den Garten. Ins ZEGG. In diesen jungen Mann. „Jetzt“ sagt eine Stimme in mir „jetzt grade in diesem Moment ist alles perfekt!“ Ja. Stimmt. Jetzt grade in diesem Moment bin ich unfassbar glücklich, bemerke ich. „Erinnere dich daran“ sagt die Stimme in mir „wenn er in ein paar Wochen geht, erinnere dich an Momente wie diesen. Das ist die Zeit, die ihr habt“. Ein räuberähnlicher Schrei ertönt aus dem angrenzenden Schrebergarten. Kurz darauf kommt Jule lässig vorbei geschlufft und zieht mich und Jonathan im vorüber gehen mit sich. Leyla und Hugo stehen schon am Gartentor und klopfen die Erde von den Stiefeln. „Auf geht´s“, sagt Leyla „ Mittagessen! Pia wartet. Wir machen doch heute vor dem Resto ein Foto mit allen jungen Menschen im Zegg“.

Die Erinnerung verblasst, ich tauche auf und die Bilder werden zu kleinen schwarzen Buchstaben vor mir auf meinem LaptTop. So oder so ähnlich war mein inneres Gefühl zu viele meiner Vormittage im letzten Frühling. Das ist fast ein Jahr her. Ein gigantisches Jahr. Kaum erinnere ich mich, wie es war, vor einem Jahr noch so neu und fremd hier zu sein. Ich möchte euch berichten wie mein Bundesfreiwilligendienst für mich war. Ich werde Erfahrungen zum Format des Freiwilligendienstes teilen und von meinen persönlichen Erfahrungen als Langzeitgast bei euch erzählen. Denn die Arbeit und das Leben sind hier so eng miteinander verwoben, dass sie in meinem Erleben kaum voneinander zu trennen sind. Aber wie kann ich überhaupt zusammenfassen, was alles passiert ist? Wie kann ich beschreiben, wie sehr mich die Zeit hier inspiriert, gefordert und verändert hat?

Okay, vorneweg sei eine Sache bezüglich meiner Motivation direkt gestanden: Mich hat es an erster Stelle ins Zegg gezogen und an zweiter Stelle sprach mich die Möglichkeit an einen Freiwilligendienst zu machen. „Ich will die volle Packung Gemeinschaft, nicht die Light-Version. Ich will erfahren, was nach der rosa-roten Gasthelfer-Brille bei euch auf mich wartet!“, das waren die vollmundigen, letzten Worte meines Bewerbungsschreibens an euch. Oh jaa! Ich war bereit, euphorisch und impulsiv. Ich wollte es auf persönlicher Ebene wirklich wissen. Ich brannte darauf, mich mit Gleichgesinnten zusammen finden und uns gegenseitig bewusst in unserem Potenzial zu unterstützen, anstatt mich fremd unter beschäftigten, abgehetzten Menschen zu fühlen. Ich sehnte mich nach Klarheit beim Kommunizieren und weniger unbewussten, unterschwelligen Botschaften. Für meine eigene Gefühlswelt sehnte ich mich nach direkten Spiegeln, die mich meine eigenen Projektionen erkennen lassen. Und vor allem wollte ich etwas gemeinsam mit anderen erschaffen. Wollte wachsen. Weit werden. Authentischer. Mehr ich. Weniger konditioniert. Mehr Mensch-Sein und selber da bleiben, wenn ich gestresst, schlecht gelaunt, bewegt und verstrickt bin. Und dann eröffnete sich die Möglichkeit eines Freiwilligendienstes.

Bundesfreiwilligendienst im ZEGG. Eine ungewöhnliche und vielseitige Einsatzstelle.

Das Format passte für mich, denn ich hatte richtig Lust auf die Arbeit im Garten und freute mich auf die Platzpflege mit Almut. Die Arbeit im Garten war Quelle vieler glücklicher Momente für mich. Draußen in der Natur zu sein und zu bezeugen, wie das Gesicht des Gartens und die Pflanzen sich über die Zyklen des Jahres wandeln, erfüllte mich bei manch anderem Stress des Gemeinschaftsalltags mit Frieden und Sinnhaftigkeit. Ich liebte das großartige, junge Team aus anderen Freiwilligen, die zu meinen Freunden wurden und Axel und Gert, die auch bei viel anfallender Arbeit die Ruhe des Gartens tief inhaliert zu haben schienen. Gemeinsam gruben wir nach den Wasserleitungen für den neuen Folientunnel (der dieses Jahr kommen soll), pikierten Jungpflanzen zum Auspflanzen im Frühjahr, pflanzten reihenweise Salat, Kohl, Möhren, Rote Beete und vieles mehr, ernteten, wuschen, vereinzelten, hackten, gruben um, fuhren Kompost, mulchten, pflegten, schnitten Sträucher und jäteten Unkraut, Unkraut, Unkraut!

Auch die Arbeit in der Platzpflege war unendlich vielseitig. Mal fegte ich mit Almut die Straße und rechte Blätter von den Wiesen, mal konnte man uns Hackschnitzel-streuend im Wald antreffen, während wir den Meditationspfad dort vom Frauenplatz zum Männerplatz in Verbindung brachten. Mal waren wir mit Abzieher und Wassereimer gerüstet am Fensterputzen, um für mehr klaren Blick zu sorgen. Dann wieder putzten wir hier am Rand und pflegten dort in der Ecke, mal grundierten und strichen wir die Wand an der Sendestation und mal kümmerten wir uns um die rußigen Wände im Raum der Stille. Almut hatte ihren wachen Blick überall auf dem Platz und zeigte mir viele noch unbekannte Putzkammern, Materialkeller, Fußwege und geheime Verstecke in Gebüschen, die meine Welt im Zegg um neue Orte erweiterten. Während sie sich für den Wert von tatsächlicher Arbeit mit Hand und Fuß aussprach und ich von ihr praktische Kniffe und Tricks lernte, hauchte sie auf irgendwie magische Weise den vielen, kleinen Orten nebenbei Schönheit und Geist ein. Ich hatte immer einen inneren Widerstand gegen Arbeiten, die sich wiederholen und die nie aufzuhören scheinen. In der Platzpflege lernte ich besser verstehen, dass eben diese Arbeiten Liebesbekundungen an die Gegenstände und Räume sind, die wir wertschätzen. Seitdem heißt Liebe für mich auch Pflege.

Herausforderungen. Mein inneres Frühjahr.

Doch das alles war viel später im Jahr. In den ersten zwei Monaten meines Freiwilligendienstes fühlte ich mich immer wieder überfordert und aufgeschmissen. Rückblickend war es die herausforderndste Zeit für mich. Grade kleine alltägliche Dingen, die für alle anderen klar zu sein schienen, stellten mich anfänglich vor ein großes Fragezeichen. Woher zum Beispiel bekomme ich Bettwäsche? Wo kann ich waschen? Kochgruppe? Ah, da muss ich auch rein? Und an wen wende ich mich da? Hermann? Wer ist Hermann? Und wie sieht der aus? Woher wissen alle, was in der Woche an Gemeinschafts-Programm ansteht. Darf ich auch zur Sauna? Darf ich Sachen aus der Kleiderkammer nehmen? Und muss ich die jede Woche wieder zurück bringen? An wen wende ich mich wegen einer Unterschrift fürs Wohngeld? Cordula? Ok. Wer ist Cordula? Und wie sieht die aus? Ah nicht Cordula, sondern Kristine? Ok. Wer ist Kristine? Und wie sieht die aus? Oh man! Ich bin neu - verdammt!! Ich weiß das NICHT! Ich war überfordert und an manchen Stellen wütend, dass sich niemand verantwortlich zeigt und mich an die Hand nimmt. Und andererseits wusste ich: ich wollte das hier. Das war, wonach ich gefragt hatte. Ich wollte ins Zegg und ich wollte da bleiben, wenn es schwierig wird. Ich wollte Abenteuer und Herausforderung. Vielleicht war das hier kein Science-Fiction Abenteuer, in dem der Campus zur Ufo-Landestation wird. Aber es war abenteuerlich. Abenteuer: Alltag Zegg! Mir war, als blieb nur ich selbst, um mich verantwortlich zu zeigen und mir meinen Weg zu fehlenden Informationen zu suchen. Immer häufiger wendete ich mich mit meinen Fragen an Almut. Während wir arbeiteten, hatte sie meistens einen pfiffigen Rat. Und außerdem wusste sie viele, spannende Geschichten zu erzählen - von den Anfängen der Gemeinschaft und ihrer eigenen Jugend. Ich fragte sie, ob sie meine Patin werden will und freute mich von Herzen, als sie meine Empfindung teilte, dass sie das irgendwie ja bereits war.

Hoch-Zeiten. Mein innerer Sommer.

Es waren nicht nur die Schmetterlinge und anderes Insektengetier die ab Frühjahr die Luft zum summen und brummen brachten. Immer mehr Gäste aus den Gasthelferwochen fanden den Weg in den Garten, um mitzuhelfen. Die Energie am Platz stieg kontinuierlich an. Spätestens auf Höhe des Sommercamps hatte ich keinen Zweifel mehr: Die Luft selbst vibrierte! Und man hatte uns alle in ein energetisches Raum-schiff gesetzt (das an den ZEGG-Grenzen aufhörte) und unbemerkt mit uns zusammen abhoben war. Ich war mir nicht sicher wo ich war, ich wusste bloß, es war unglaublich hier und mein Herz drohte vor Überschwang zu platzen. Ich lief Barfuß, trug bunte Röcke und steckte mir Federn ins Haar. Ich übte Slack-Line, lag mit Freunden und Gästen am Pool und schlürfte Eiskaffee und ging ins Großzelt, um den inspirierenden Vorträgen zu lauschen. Und nebenbei eröffnete sich mir noch ein weiteres Arbeitsfeld. Ich half bei der Gruppengestaltung für die Jugendlichen am Festival. Im Kontakt mit diesen jungen Menschen im verwirrenden Übergang von Kind zum Erwachsenen wurde ich vom beglückenden Gefühl berührt, hier wieder auf ganz andere Weise etwas Sinnvolles und Gutes zu tun – und zwar einfach, indem ich ich selbst war. In mir noch so verbunden mit meiner Zeit als Jugendliche, aber im Leben schon viel mehr erwachsen, als mir bis dahin bewusst war. Ich fühlte mich weit, authentischer und mehr Mensch, so wie ich es mir Anfangs gewünscht hatte.

Persönliche Veränderung und Reifungsprozess. Mein innerer Herbst

Eines Nachmittags im Sommer saß ich alleine im Garten zwischen dem Schnittlauch und zupfte Unkraut, als mir die schwerwiegende Erkenntnis kam, wie sehr ich vom Patriachat geprägt bin. Während ich ungewünschte Pflanzen mit der Wurzel aus der Erde zog und in den Eimer warf, rüttelte meine Gedanken an den Wurzeln meiner eigenen Konditionierungen. Ich zog mich im Sommer „schön“ an, sprach mit Männern häufig in einem permanenten Flirt-Ton und versuchte unbewusst ihnen zu gefallen. Mein ganzer Selbstwert wurde wesentlich von dieser Anerkennung und Bestätigung bestimmt. Jonathan, in den ich mich gleich zu Beginn Hals über Kopf verliebt hatte, hatte das Zegg verlassen und war auf die Schweibenalp gegangen. Und obwohl wir in keiner Beziehung oder Absprache waren, bemerkte ich in mir ein inneres Reglement ihm „treu“ zu sein. Jonathan hat mich immer dazu animiert frei zu sein und mich nicht an die Definition von Beziehung zu binden. Nun wurde mir klar, wie wenig ich ihm das glaubte. Etwas tief in mir hielt das Ganze für einen Trick und war der Überzeugung, dass Männer von Frauen, die ihre Sexualität frei leben, eigentlich insgeheim schlecht dachten. Und mehr noch. Ich dachte von solchen Frauen schlecht. Ich dachte, eine wirklich, wirklich „gute“ Frau ist zwar modern, emotional unabhängig, freidenkend, aufgeklärt und intelligent, aber körperlich, körperlich ist sie treu. Bilder stiegen in mir auf wie über Jahrhunderte Frauen tatsächlich Männern gehört haben. Wie ihr Körper, ihre Sexualität Männern gehörten. Vom Vater übergeben an den Ehemann. Ohne eigenes Recht. Ich war schockiert. Das Patriachat war keine entfernte, überholte Struktur. Es war zellulär real und steckte auch mir tief in den Knochen. Und ich beschloss zu lernen ab jetzt mein Zentrum und meine Sexualität zu mir zurück zu holen, damit ich mich frei entscheiden kann, welche Form von Beziehung ich in Zukunft leben will oder auch nicht leben will. An diesem Nachmittag bemerkte ich, wie das Zegg-Feld - und seine Möglichkeit hier freier als woanders zu Beziehung, Liebe und Sexualität zu forschen - auch an mir wirkte und unbewusste Konditionierungen ins Wanken brachten.

Dunkle Zeiten. Schmerz und Zweifel. Mein innerer Winter.

Im Herbst fallen die Blätter. Eins nach dem anderen löst sich langsam und fällt vom Baum. Das Licht wird weniger und der dunkle Winter kommt. Es gibt ein Foto mit fünfzehn jungen Menschen vorm Resto. Sechs von fünfzehn sind jetzt nicht mehr da. Drei weitere werden in diesem neuen Jahr noch gehen.

Jugend im ZEGGAuf dem Foto bin ich grad mal knapp einen Monat im Bundesfreiwilligendienst. Jule und Pia sind meine Crew. Auch Leyla ist mir schnell ans Herz gewachsen. Und mit Hugo und Jonathan quatsche ich Stunden lang über… naja alles Mögliche halt. Im Zegg treffe ich Menschen, die mein Herz berühren, die die gleiche Sprache zu sprechen scheinen wie ich. Menschen auf der gleichen Wellenlänge. Und diese Erfahrung von Eingeschwungen sein, gibt mir das Gefühl von Gleich-gesinnten umgeben zu sein.

Ganz wie ich es mir anfänglich gewünscht habe. Aber einer nach dem anderen verlässt im Frühjahr, im Sommer, im Herbst das Zegg. Der Winter ist dunkel. Im Winter wird es ruhig. Und was vorher immer nur wie ein Schatten aufblitzte, nimmt sich den Raum gefühlt zu werden. Schmerz. Leere. Einsamkeit. Ihr Gehen hinterlässt ein Loch und die Frage, was ich selbst hier will. Und hinter dieser Frage bricht die tiefe Schlucht einer anderen Frage auf, die mich in Dunklen Zeiten immer wieder überfallt. Die Frage, was ich überhaupt in diesem Leben und auf dieser Erde will.

In einer der Intensivzeiten im Winter spitzt sich das Gefühl zu. Alle schienen zusammen zu rücken. Ich fühlte mich allein und fremd. Und das, obwohl ich gefühlt schon eine Ewigkeit hier war. In einer Begegnungsübung traf ich ein Gegenüber, das gar nicht zu wissen schien, dass ich hier seit Monaten einen Freiwilligendienst mache und auch das Gefühl in einer anderen Begegnung war irgendwie unentspannt und befremdlich, sodass meinem Gegenüber nichts anderes einzufallen schien, als mich nach meiner farbigen Haut zu fragen. Tatsächlich bin ich noch nie so häufig in so kurzer Zeit wie den Monaten im Zegg nach meinen ethnischen Wurzeln oder der Herkunft meiner Eltern gefragt worden. Und bis zu dieser Intensivzeit im Winter hatte ich kein Problem damit zur Hälfte schwarz zu sein. Im Gegenteil ich genoss das Gefühl offensichtlicher Andersartigkeit. Doch nun kippte meine bisherige, antrainierte Tendenz mich abzugrenzen und von anderen, „normalen, unbewussten“ Menschen unterscheiden zu wollen um in ein Gefühl von Schmerz. Ich wollte nicht anders sein als ihr – ich wollte dazu gehören. Und zum ersten Mal verstand ich, was einige, junge Menschen im Zegg als positiven Rassismus bezeichnen: Die Tendenz in der Wahrnehmung von jemanden das oberflächlich-offensichtliche im Fokus zu haben, was ihn anders macht und nicht die unzähligen, anderen Merkmale und Eigenschaften zu sehen, die ähnlich sind und verbinden. Für mich barg dieser Schmerz eine meiner wertvollsten, persönlichen Entdeckungen: Es gibt einen schlichten Anteil in mir, der sich nicht abheben will, sondern sich nach Zugehörigkeit sehnt.

In einer anderen Intensivzeit später im Januar, saß ich in einer der Reihen und hörte Charlotte und Janus zu, die einen Vortrag zu strukturell blinden Flecken im Zegg hielten. Sie sprachen von unbewusste Hierarchien, Sex Positivität und dem Erschaffen von bewusstem Konsens miteinander, statt vagen, nicht ausgesprochenen Annahmen. Als sie geendet hatten, saß ich da und war tief bewegt. Plötzlich war es so klar: Ich bin hier richtig. Jetzt grade gehöre ich hier hin. Was meine zwei Freunde da vorne anstießen, was diese Gemeinschaft an Themen bewegt, ist, was auch mich im Inneren bewegt. Das Zegg ist nicht immer der perfekte Ort. Es ist kein Ort, an dem alle in permanent erleuchteter Bewusstheit herum laufen und vierundzwanzig Stunden am Tag gewaltfrei kommunizieren. Das Zegg ist ein Ort mit Menschen, so wie ich. Und viele hier teilen die gleiche Absicht: Das Bestreben nach Transformation, deren verändernde Kraft auch die dunklen, unschönen Ecken nicht scheut.

Alle Jahre wieder… Frühjahr. Und was kommt jetzt?

Es ist Mitte Februar. Kaum erinnere ich mich, wie es war, vor einem Jahr noch so neu und fremd hier zu sein. Ein Jahr. Ein gigantisches Jahr. Pia ist grade zu Besuch und dieses Wochenende ist das Seminar von Tatjana Bach „Quellen weiblicher Kraft“, mit dem ich letztes Jahr hier angekommen bin. Danach stehen zwei Tage Schattenprozess im Possibility Management auf dem Programm. Der Kreis, er schließt sich. Und was kommt jetzt?

Ich für meinen Teil habe noch nicht genug vom Zegg. Im März mischen Jule und ich zusammen den diesjährigen Gemeinschaftskurs bei euch auf. Auch nach dem Gemeinschaftskurs kann ich mir vorstellen zu bleiben. Ich möchte die Frage weiter bewegen, was es strukturell braucht, damit mehr junge Leute langfristig im Zegg-Feld ihre Homebase haben. Ich glaube unsere Generation braucht einen weiteren Bewegungsradius und die Möglichkeit sich auch über die Zegg-Grenzen hinweg zu vernetzten und sich gleichzeitig für einen Einstiegsprozess entscheiden zu können. Diesen Monat habe ich einen Job in Berlin angefangen als persönliche Assistenz für einen sehr humorvollen, körperlich behinderten Mann. Im Assistenten-Team sind neben mir auch Leyla, Jonathan, Joachim und Lily. Ich habe viele Ideen und Visionen für dieses Jahr. Ich möchte meine Arbeit mit Frauen und Mädchen noch mehr am Platz einbringen und meine Selbstständigkeit als Schoßraum-Prozessbegleiterin und Yoni-Masseurin wieder aufnehmen. Ich habe Lust für euch ab und zu Artikel für die Öffentlichkeitsarbeit zu schreiben, so wie diesen hier. Und im Sommer will ich hin und wieder im Garten und bei Almut vorbei schauen. Ich werde junge Menschen während des Pfingst-Festivals als Teamer begleiten, zwischendurch vielleicht mal verreisen, Gitarre spielen lernen, ein Buch schreiben, weiter wachsen, erwachsen werden, lernen wie ich mein Leben radikal verantwortlich gestalte… und und und und und. Ich hab das Gefühl 2018 wird ein gigantisches Jahr!

Liebe Menschen im Zegg, liebes ZEGG-Gemeinschaftswesen,

ich danke euch von Herzen für diese bunte, bereichernde, aufregende, transformierende Zeit. Ich danke euch für das unheimlich leckere, gute Essen, für´s Co-Counceling, für den Forumsleiterkurs und die Gefühlearbeit und die erlernte Kompetenz bewusst Emotionen zu entladen, ich danke euch für so viele wundervolle Dinge vom Geschenketisch, für alle Möglichkeiten, in denen ich lernen durfte Grenzen zu setzten, für den Frauenplatz und das Mondzelt, für den glücklichsten achtundzwanzigsten Geburtstag meines Lebens, für Kira Kay, für Wutkraft, ich danke für alles was ich hier lernen durfte, alles was ich an alten Konditionierungen hinter mir lassen durfte, alles was ich an Selbstwert gewonnen habe, jeden Moment, in den mich die Liebe berührt hat, für neue Freunde, neue Perspektiven und neue Möglichkeiten. Das Zegg ist für mich ein Feld voller Reichtum.

 Rachel Edwards

 

 



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