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WebWorker für Joomla! gesucht

Wir suchen ein bis zwei Personen mit guten bis sehr guten Kenntnissen in Joomla!, die Lust hat in unserem hauseigenen Team an der Neugestaltung unser Internetpräsenz mitzuarbeiten.

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Julia FuchteJulia Fuchte hat das ZEGG besucht und einen sehr berührenden Bericht verfasst:
"Nach einer sommerlichen Woche in der Hauptstadt ging es weiter nach Bad Belzig, eine Zugstunde von Berlin gelegen, ins Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung (ZEGG), von dem ich schon einiges gehört hatte. Die Gemeinschaft, die neben Tempelhof, Sieben Linden, Kommune Niederkaufungen u.a. zu den bekanntesten in Deutschland gehört, verfolgt seit 27 Jahren das Ziel, ein ganzheitliches und nachhaltiges Lebensmodell aufzubauen, das verschiedene Bereiche des Lebens integriert: Liebe, Arbeit, Ökonomie, Ökologie, Spiritualität.

Insofern war ich also genau am richtigen Ort, um mein Gespür für das Zusammenspiel aller neuartigen Lebensformen zu verfeinern und praktisch-plastische Eindrücke zu sammeln. In der ersten Woche meiner Gastzeit ging es um einen neuen Umgang mit Liebe, in einem Kurs namens „Liebesschule“.

Das ZEGG experimentiert mit anderen, polyamoren Formen von Liebesbeziehungen. Unsere
Kursleiter waren überwiegend selbst Bewohner*innen, die auf jahrelange Erfahrungen in
Liebesnetzwerken zurückblicken können und dies authentisch, überzeugend, menschlich vermitteln konnten. Ich war beeindruckt von ihrer großen Präsenz im Moment und ihrer emotionalen Bewusstheit.
Warum ist es politisch und gesellschaftlich hochrelevant, über die Liebe zu forschen? Neue Studien legen nahe, dass Monogamie keine genetische anthropologische Konstante ist. Der ursprüngliche Seinszustand vor der Sesshaftwerdung soll gegen alle Überzeugung ein Leben aus der Fülle gewesen sein. Menschen matrilinear organisierter Kulturen arbeiteten 4 Stunden fürs Überleben, der Rest der Zeit blieb für Soziales und Kultur – und vielfältige Liebesbeziehungen. Man war zentriert um das Wir, erst ein differenziertes Ichbewusstsein um 8000-10.000 v. Chr.. brachte uns einen nicht enden wollenden Gedankenstrom. Heute sind wir nicht mehr Liebe, sondern suchen sie, suchen Resonanz auf unsere Wünsche und Bedürfnisse, Wärme und Geborgenheit, möchten aber nicht mehr unbedingt Teil vom Ganzen sein. Eine monogame
Beziehung kann das Aufgehobensein im Ganzen aber nicht ersetzen, die Liebe als universelle Kraft können wir nicht individualisieren. Dennoch stimmt natürlich auch etwas daran, das eine klare Gegenüber zu haben, individualisierte Liebe („ich will genau dich!“) hat auch Schönheit!

Das Seminar warf die Frage auf: Wie würde eine Gesellschaft aussehen, deren Institutionen aus
dem Eros heraus erwachsen – einer universellen Liebeshaltung, die dieser dient und ihr Räume
schafft? Das Credo: „Wenn wir nicht akzeptieren, dass der Eros gesellschaftlich wichtig ist, machen wir so viel Scheinarbeit!“ Die Kraft, Realität zu wandeln, habe ich in diesem Seminar so dicht gespürt wie lange nicht. Eines der beliebtesten Zitate bei den TeilnehmerInnen war dieses von Albert Einstein:
„Realität ist eine Illusion, allerdings eine sehr hartnäckige. Passen Sie sich der Frequenz der Realität an, die Sie sich wünschen, und Sie kommen nicht umhin, sie zu bekommen. Das ist keine Philosophie, das ist Physik.“ (Anders kann ich mir auch nicht erklären, wie ich 2011-12
die fiktive Geschichte einer Studentin der Gesellschaftsgestaltung erzählt habe, die in einem Wohnheim auf einem Berg an einem Fluss in einer Weinregion wohnt, und vier Jahre später selbst in dieses Leben hineingeraten bin☺).

Das Seminar machte viele Erfahrungsräume auf, geistige, sinnliche, emotionale, erotische. Wir
hörten viele Texte bekannter Psychanalytiker und Spiritualitätsforscher, wir tanzten viel frei zu
Musik, und erlebten persönliche emotionale Prozesse im Forum. Das ist eine Methode, bei der eine einzelne Person in die Mitte des Kreises tritt und dort ein Problem, eine Frage teilt, mit der sie nicht weiterkommt. Alle wenden sich ihr präsent und aufmerksam zu. Eine gedankenlose
Aufmerksamkeit, eine völlige Geistesgegenwart aller Zuhörenden, die unablässig ist. Der Sinn: In Fragen der Einzelnen das Größere, Gesellschaftliche zu erkennen, an ihnen für sich selbst zu lernen, und Teil des Heilungsprozesses zu sein. Dabei hilft die Moderation, die verschiedenste Methoden und Rituale einbringen kann, und achtsam den Raum hält.

Das prägendste Erlebnis war eine Situation im Forum, in der ein junges Paar sich gegenüber stand und die Frauen der Frau, die Männer den Mann den Rücken stärken sollten, sich hinter ihnen versammeln sollten, in ihrem Konflikt. Wow! Etwas so zutiefst Archaisches war in der Situation, wie etwas Kultisches, erinnert aus einem kollektiven Stammesgedächtnis, und auch etwas so heilsames, dass ich Teil dieser emotionalen Situation sein durfte, daran lernen konnte, dass ich heulen musste.
Am herausforderndsten waren die Situationen, in denen wir uns auch körperlich näher kamen. Am dritten Tag wurde jeder/m nahegelegt, sich im großen Kreis der vierzig TeilnehmerInnen nackt
auszuziehen. Wollt ihr uns verarschen?, dachte ich nur und war drauf und dran, rauszugehen (was an sich kein Problem gewesen wäre). Ich habe mich dann doch eingelassen, und danach war tatsächlich einiges einfacher. Eigentlich ist alles so unspektakulär … Es gab auch einige erotische Feste. Generell habe ich für mich festgestellt: Es ist schön, sobald klar ist: Ich darf und soll meine Grenzen klar ausdrücken. Erst, wenn ich gelernt habe, Nein zu sagen, kann ich auch Ja sagen! Ich darf mir Zeit lassen, es bringt nichts an Glücksgewinn, seine Grenzen zu überschreiten, ich darf dennoch offen für Neues bleiben. Heißt auch: trotz eines gewaltigen Potenzials, das man in einer Situation erkennen mag, geduldig bleiben. Und: Ich muss kein einziges Glücksgefühl festhalten, ich muss nur im Moment sein. Egal, wie schön es ist, ich hafte nicht mehr an, ich lasse jederzeit wieder los. Das einzig Absolute: Die Stille im Universum ☺

In der zweiten Woche, in der ich das ZEGG als Sommergast kennenlernen und in einer kleinen Gruppe auf dem Gelände, in Küche und Garten mitarbeitete, ging meine Entdeckungsreise dann persönlich weiter. Dank meiner Mitgäste! Und ich danke Jan und meiner Familie für den wunderbaren Ausklang der Reise auf dem Marburger Märchenschloss.

Ich bin außerdem sehr dankbar, eine neue Sprache kennengelernt zu haben, die sehr lebendig ist in der Sphäre des ZEGG. Ich kann sie gar nicht spontan rekonstruieren, ich weiß nur, dass es immer wieder um Energien, um Herz, Bauch, in sich spüren, Verbindung, für sich sorgen, Bedürfnisse, wie sich etwas anfühlt, Raum, Prozess u.a. geht: Eine runde, weiche, fließende Sprache, die es mir plötzlich möglich macht, authentisch über das zu sprechen, was mich wirklich bewegt, belastet, was ich möchte. Und hoffentlich nun auch so zu schreiben. Es ist wirklich so: Der Wandel wird nicht ohne eine neue Sprache geschehen. Hoffentlich kann auch ich zu ihr beitragen. Es gäbe noch so viele Erkenntnisse mitzuteilen, für die aber nun nicht der Raum ist.

Nur eins noch, was ich mir notiert habe: „Konventionen schrumpfen zusammen. Konflikte, die dadurch entstehen, dass man einfach keine Impulse zu ihrer Lösung von außen bekommt und damit alleine ist (oder nur unzureichende mentale Hilfsmittel hat), bauschen sich zu Problemen auf, die einen jahrelang unnötig blockieren. Um die man unnötige Ego-Rahmengeschichten baut. Dabei würde es vielleicht reichen, Menschen in einem anderen Lebensalter oder Geschlecht über ihre Gefühle, ihre Perspektive persönlich reden zu hören, in einem rituell getragenen Raum.“ Werden wir, werden spätere Generationen diese Räume im Alltag haben?
Im Wandel: Neu ausgehandelte Prinzipien des Zusammenlebens"

www.utopisch-wissen.de



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Im ZEGG leben 100 Menschen gemeinschaftlich zusammen. Wir sind Modellprojekt für ein sozial und ökologisch innovatives Leben und Wirtschaften. Dabei interessiert uns, wie nachhaltige Entwicklung funktioniert - für jede/n Einzelne/n und für die Gesellschaft als Ganzes. Wir legen Augenmerk auf die sozialen, spirituellen, ökonomischen und ökologischen Aspekte dessen, was wir tun.

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