LoschteichEinige haben es mitbekommen, unser Teichbiotop war diese Saison nicht so ganz auf dem Damm. Zur Sanierung waren  viele Menschen im Einsatz.

Zunächst wurde das Wasser abgelassen und dabei Fische und Muscheln umgesetzt und gerettet. Dann wurde der Teich entschlammt und das Pflanzenbeet komplett umgebaut zu drei Filterbeeten.  Rohre, Kabel und Pumpen müssen noch erneuert werden.

Eine Einstiegstreppe und ein Geländer werden noch neu gebaut. Der Teich wurde dann schrittweise befüllt und auch viele der Lebewesen wieder eingesetzt.

Die Einweihung wurde dann mit einem Event gefeiert.
Dazu ein Bericht von Christian Bliss

Karpfen Loschteich„Goldene Schuppen, Papa!“ Tatsächlich, der Karpfen, den Tom gerade mit dem Kescher aus dem großen Übergangsbassin gefischt hat, hat auf dem Rücken ein paar goldene Schuppen. Und natürlich das typisch breite Karpfenmaul, das die ganz Zeit auf und zu geht, als würde er eine Zigarre rauchen. Heute ist Papa-Tag und ich bin mit meinem Sohn bei der Fisch-Aktion dabei. Die Kinder sind an diesem kalten Novembermorgen super aufmerksam und recken die Hälse, um einen Blick in den Bottich zu werfen, in den die Karpfen vorübergehend gesetzt werden. In einem anderen Bottich schwimmt ein Aal. Der ist mindestens einen Meter lang, sagt einer. Naja, vielleicht nicht ganz. Aber beeindruckend finde ich ihn auch.

Die beiden Hechte sind schon im Löschwasserteich ausgesetzt worden, wo wir sie pfeilschnell losflitzen sahen. Es sind die ersten Fische, die nach der Sanierung wieder im Teich schwimmen. Dort war in diesem Mega-Sommer das ökologische Gleichgewicht gekippt, das bis dahin über zehn Jahre für eine einigermaßen gute Wasserqualität gesorgt hatte. Und neben Kies- und Pflanzenfilter geht es nun auch darum, die Fisch-Populationen so einzustellen, dass wieder ein Gleichgewicht entsteht und der Teich langfristig weder abstirbt noch mit Fischen überquillt.

Im Bassin kommen jetzt die vielen kleinen Fische dran, die nicht größer sind als mein kleiner Finger. Die Kinder beugen sich mit ihren kleinen Fangnetzen über den Rand und stellen fest, dass einiges an Geschicklichkeit gefragt ist, um die kleinen Fische zu erwischen. Aber es klappt, und sie übergeben ihre Beute mit wichtiger Miene an Tom, der die Fische dann in einer Schüssel nach Arten sortiert.

Die Finger werden langsam kalt. Aber nebendran brennt zum Glück ein Feuer, und es gibt Tee und ein bisschen Kuchen. Uwe, der die Teichsanierung mit geleitet hat, feuert mit behaglichem Gesichtsausdruck die große Wikingertonne an, damit das Wasser nach dem Mittagessen richtig warm ist. Dann fängt nämlich die Einweihungsfeier an, zu der er eingeladen hat! Anbaden.

Lange wurde hin und her überlegt, was mit den größeren Fischen geschieht, die nicht mehr zurück in den Teich gehen. Sie woanders aussetzen? Oder den Kreislauf der Schöpfung schließen, indem wir die Fische ehren und sie dann töten und essen? Ein schwieriges Thema, über das es in der Gemeinschaft unterschiedliche Meinungen gibt. Am Ende landeten fünf Karpfen in der Pfanne. Wenn sie gebraten sind, ist von den goldenen Schuppen übrigens nichts mehr zu sehen.

Als wir später mit Mütze und Handtuch zurück zum Teich kommen, müssen wir erstmal warten: Die Wikingertonne ist so voll mit Menschen, dass gerade noch mein Kind reinpasst. Die Stimmung ist gut, und ich finde meinen Platz zunächst als Kellner für den Sekt, mit dem wir auf den Teich, die Fische und das Leben anstoßen. Als ich in die Tonne einsteigen will, verstehe ich, was mit anbaden gemeint war: Bevor es in die warme Tonne geht, muss man in den Teich springen. Ende November? Also gut.

Es ist kalt. Dann ist es warm. Dann wieder kalt. Und wieder warm. Die Kinder fangen an, ständig zwischen Teich und Tonne hin und her zu wechseln. Irgendwie beeindruckend, wie mutig sie sich immer wieder ins kalte Wasser geben und dann mit einer Freude über den Tonnenrand zurück klettern, dass das Wasser fast überschwappt. Nach einer Weile bleiben sie dann doch sitzen, und ihr Blick wird im 40 Grad warmen Wasser langsam länger. Heute Nacht werden sie gut schlafen, sage ich zu einem anderen Papa. Auf jeden Fall, sagt er, aber wir bestimmt auch. Stimmt.

Anbaden

 



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