RetentionsteichVon Achim Ecker, ZEGG
Unser Aufforstungsprojekt wird (auch kleinen) Gruppen und Initiativen rings um das Mittelmeer eine Blaupause, einen Baukasten in die Hand geben, mit dessen Hilfe eine erfolgreiche Wiederbewaldung auf verödeten Flächen gelingen kann. Natürlich werden wir auch selbst Waldflächen anlegen, um in Zusammenarbeit mit Eigentümern, Verwaltungen, Universitäten und den teilnehmenden Projektträgern die notwendigen Grundlagen, Werkzeuge und Fähigkeiten zu entwickeln und zu verbessern. Mit Enthusiasmus und einer trial-and-error Struktur sind Achim Ecker und Arnold Schonhardt vor 22 Jahren auf dem 7ha-Gelände der “Retumbana nova” (Alentejo, Portugal) gestartet.

Ziel

ist die dauerhafte Etablierung von Mischwäldern in ihrer natürlichen Zusammensetzung. Die Aufgabe ist nicht Naturschutzgebiete zu schaffen, sondern Räume, in denen Mensch und Natur in einem balancierten Gemeinwesen sich gegenseitig erhalten und stärken.

Wie es anfingD1 Retumbana 1996

Die Retumbana-Nova ist ein 7ha Gelände mit altem Stampflehmhaus, das ich mit Arnold Schonhardt 1996 im Alentejo gekauft habe. Das alte Bauernhaus war eine Ruine, die wir ökologisch wieder auf- und ausgebaut haben. Gleichzeitig bauten wir den ersten Retentions-Teich oder See in diesem Gebiet. Mittlerweile gibt es auf der Retumbana zwei große Seen, zwei kleine Teiche und ca. 15 Köhlergruben, die den Winterregen weitgehend am ablaufen hindern und versickern oder aufspeichern für die heißen und trockenen Sommer.

Das Regenwasser kann heute nicht in den Boden einsickern, weil vor ca. 500 Jahren die ursprünglichen Wälder abgeholzt wurden, was zu einer Verkarstung der Landschaft führte. Gäbe es noch den ehemaligen Mischwald aus verschiedenen Eichensorten, Buchen, Kastanien und Pinien – in niederen Lagen auch Weide und Esche, wäre der Boden reicher und im Sommer gäbe es manchmal Niederschläge.

Die vorherrschenden Eichen (Quercus broteroi) wurden für den Schiffsbau für die Eroberungsflotten der Portugiesen abgeholzt und nie wieder aufgeforstet. Der Humus verschwand und mit ihm das Bodenleben und die Fähigkeit Wasser zu speichen. Darunter litt erst die Flora und Fauna und dann auch der Mensch.

Arnold und ich haben seit 1996 das Land hier wieder aufgeforstet und in dem Prozess viel gelernt. Zwangsläufig haben wir gelernt ohne großartige Bewässerung und Kunstdünger, und somit mit niedrigem Aufwand an Arbeitskraft und Kosten einen Wald aufzuforsten. Über einen Zeitraum von 15 Jahren haben wir hier mehr als 20.000 Bäume gepflanzt. Teilweise sind sie schon 15 m hoch. Inzwischen sind hier schon ca. 70 verschiedenen Baumarten heimisch. Darunter sind Pionierarten, die wir über kurz oder lang im Rahmen der Waldpflege wieder rausnehmen werden, die aber den Boden aufbauen, auf dem die heimischen Arten wieder wachsen können. Alle ursprünglich heimischen Arten sind hier auch schon wieder vertreten.

D1 Retumbana 2018Retumbana 12 18 16Retumbana 12 18 32

 

 

 

 

 

Erste Erträge

Seit ca. 5 Jahren wirft der neu aufgepflanzte Wald die ersten Erträge ab. Die notwendige Aufastung der Bäume und der Rückschnitt der schnell wachsenden Pionierarten, beschenkt uns mit mehr Brennholz, als wir brauchen. Folglich verkaufen wir seit einigen Jahren Brennholz. Der Erdbeerbaum (Medronho – Arbustus unedo) warf dieses Jahr üppigst Früchte ab, die wir an die Kneipen verkauften zum Brennen von Schnaps. Ein willkommenes Nebenprodukt mit vielen Anwendungsmöglichkeiten ist das anfallende Reisig, das wir zu Biokohle verköhlern. Diese wird dann über unser Kompostklo mit Nährstoffen aufgeladen und allmählich zu Terra Preta. Terra Preta ist viele Jahrhunderte fruchtbare Schwarzerde, die viel Nährstoffe und Wasser speichert. Ausserdem bindet sie das CO², das die Bäume im Laufe ihres Lebens aus der Atmosphäre aufgenommen haben dauerhaft (mehr als 1000 Jahre) im Boden.

Seit ebenfalls 5 Jahren schneiden wir die Pionierarten wieder zurück und fällen sie, um Platz zu machen für die natürliche Bewaldung. Die Pionierarten waren meist Stickstoff sammelnde Bäume. Sie haben gute Arbeit geleistet und den Boden an vielen Stellen wieder aufgebaut. Dadurch säen sich inzwischen viele Arten durch die vorhandenen Samenbäume selber wieder aus und beginnen den gepflanzten Wald zu ergänzen und zu verjüngen.

Ernte von MedronhoRetumbana 12 18 33Retumbana Kohlern 18 23

 

 

 

 

Die Idee der Wiederbewaldung größerer Gebiete

Ich hatte schon lange die Idee, dass man mit den von uns entwickelten Methoden die Iberische Halbinsel wieder aufforsten könnte. Momentan schreitet hier massiv die Wüstenbildung voran und von dem ehemals ganzflächigen Wald ist fast nichts mehr zu sehen.
Zugegeben, die Idee grenzt für einen kleinen Privatmann an Wahnsinn. Aber mein Freund und Landschaftsgärtner Rocco Lothar Hammes hat im letzten Februar die Retumbana besucht und war so begeistert, dass er begann einen Plan zu entwickeln. Wir hatten einen Professor für Waldarbeit der Uni Eberswalde in der Retumbana zur Planung von Praktika von Studenten und nun im Winter zum ersten Mal 2 Studenten. Einer war 3 Monate hier, half im Gelände mit und machte eine Bestandsaufnahme der Pflanzenarten. Diese Bestandsaufnahmen brauchen wir für die Zusammenarbeit mit Behörden, ohne die wir sicher nicht die Iberische Halbinsel aufforsten können. Rocco widmete einen gemeinnützigen Verein um, baute eine Webseite und kontaktierte viele interessante Projekte und Personen.

Der nächste Schritt ist die Aufforstung von einer Fläche von ca. 500 ha. Flächen sind uns schon angeboten worden, teilweise sogar ehemalige Eukalyptus-Plantagen. Dort ist der Boden völlig ausgelaugt und versauert. Die Rekultivierung dieser Flächen wird eine interessante und höchst herausfordernde Aufgabe. Aber wenn man mit, statt gegen die Natur arbeitet, ist das möglich.
Ziel ist es damit ein nachahmbares Beispiel zu setzten für weitere 500ha Flächen im ganzen südlichen Europa, denn überall in Protugal, Spanien, Italien, Serbien… bis hin nach Griechenland ist das Problem dasselbe: die Abholzung vor Jahrhunderten hat zur Zerstörung der natürlichen Böden geführt. Versalzung, Erosion und Wüstenbildung waren die Folge, an die wir uns schon als „normal“ gewöhnt haben, obwohl sie das nicht sind.

Aktuell

Im Januar und Februar finden auf der Retumbana mit Rocco zwei Workcamps statt. Da werden Versuchsflächen angelegt für die Wiederbewaldung im großen Stiel und eine Brandschutzwand gepflanzt aus Zypressen. Zypressen sind schwer entflammbar und haben bei Waldbränden bewiesen, dass sie Brände stoppen können, wenn sie dicht gepflanzt werden. Das ist unser Ziel. Gleichzeitig bremsen sie noch die im Sommer sehr autrocknenden heißen Winde.

Zypressen Pflanzung 2

Wer das unterstützen will und den eigenen CO² Ausstoß kompensieren will, kann dem gemeinnützigen Verein spenden. Die Gelder werden für die Wiederbewaldung im südlichen Europa verwendet. Dadurch wird CO² aus der Atmosphäre gebunden und über Biokohle und Terra Preta für Jahrtausende im Boden gespeichert. So entsteht nebenbei ein dauerfruchtbarer Boden und ein einzigartiges Biotop, das das Mikroklima verändert. Bisher geschieht alle Arbeit ehrenamtlich, wie auch die Aufforstung von Arnold und mir über mehr als 20 Jahre.

Wir haben jetzt schon soviel Reisig geschnitten und schon soviel verköhlert, dass es dieses Jahr 7-8 m² Biokohle sein werden und damit ca. 13-14t CO² dauerhaft der Atmosphäre entzogen sind. Ohne Technik und Aufwand. Es ist meines Wissens das erste und einzige Aufforstungsprojekt, das die CO² Speicherung durch Biokohle im Boden mit einbezieht und so dauerhaft macht und gleichzeitig fruchtbare Böden aufbaut. Aus der Schönheit eines wachsenden Waldes, wo schon Jahrhunderte keiner mehr war. Der Boden lebt wieder und die Flora und Fauna regenerieren sich.

Spenden an: REIF eV, IBAN DE42 1605 0000 3651 0387 68,
Verwendungszweck: Investition in die Zukunft

Achim Ecker, ZEGG



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Im ZEGG leben 100 Menschen gemeinschaftlich zusammen. Wir sind Modellprojekt für ein sozial und ökologisch innovatives Leben und Wirtschaften. Dabei interessiert uns, wie nachhaltige Entwicklung funktioniert - für jede/n Einzelne/n und für die Gesellschaft als Ganzes. Wir legen Augenmerk auf die sozialen, spirituellen, ökonomischen und ökologischen Aspekte dessen, was wir tun.

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