meditationEin Bericht von Eva Weigand und Ina Meyer-Stoll vom Symposium "Rebellen des Friedens" in der Gemeinschaft Sulzbrunn:
"Mega! Was für ein tolles Symposium! Wir sind begeistert, geerdet und inspiriert. Verwoben, vernetzt und getragen. Eröffnet wird das Symposium mit der Grand Dame der amerikanischen Umwelt-, Friedens- & Menschenrechtsbewegung: Via Zoom spricht Joanna Macy mit ihren 90 Jahren zu uns und weist uns auf erfrischende Art und Weise die Richtung.

Dass es darum geht, dass wir zusammen kommen, uns wirklich zusammen tun und zusammen fühlen. Dass die „Aufhaltenden Aktionen“ wichtig sind, um Zeit zu gewinnen um von noch größerem Schaden abzusehen. Dass es zeitgleich die Bewusstseinsentwicklung braucht, des Einzelnen, von Gruppen und der ganzen Gesellschaft. Und die Erneuerung von gesellschaftlichen Strukturen. Dass wir alle darin an einem Strang ziehen und nicht der eine besser oder die andere richtiger ist. Wohl aber, dass wir von- und miteinander lernen und voranschreiten können. „Fall in Love with each other" sagt sie, schlicht und einfach.

Ja, es gab viele Älteste. Tom Porter, Ältester der Mohawk (Haudenosaunee), der uns tief mit dem indigenen Weltbild verbunden hat. Indem wir nicht getrennt sind von Wasser und Erde, in dem wir gemeinsam mit Wasser und Erde den großen Organismus bilden, aus ihnen hervor gegangen sind und gemeinsam mit allen Lebewesen zusammen unseren Planeten leben. Dass Wasser Leben ist, in allen von uns lebendig und uns alle miteinander verbindend. Genauso, wie die Luft, der Atem.

Nachdem er und auch Tiokasin Ghosthorse gesprochen haben, kann man sich kaum noch vorstellen, dass wir Menschen es wirklich fertig bringen, Wasser und Luft (uns selbst) so zu vergiften, wie „wir“ es tun, Erde auszubeuten, nicht alles Leben zu ehren - mit der Dankbarkeit verbunden. Als Tiokasin seine traditionelle Lakota Flöte spielt sind Himmel und Erde anwesend, allein der erste Ton bestätigt die immerwährende Anwesenheit des Universums. Er sagt, es gibt kein Wort für „ich“ in Lakota, auch keines für „Natur“, denn alle Natur ist ja ich. „Ich“ „atme“ nicht „Luft“, denn es ist ja Teil dessen, was ich bin.

Mit der Erzählung Tom Porters vom 600 Jahre währenden Friedensabkommen, vom „Großen Gesetz des Friedens des Irokesen-Bundes“ wird klar, dass es die Liebe (Kraft) ist, die Matrix des Lebens, der wir uns anheim geben müssen, um Macht und Gewalt zu überwinden - wollen wir eine lebenswerte und enkeltaugliche Zukunft schaffen. (Ein Auszug aus der Geschichte: Die Frauen wählen die „Führer“ (männlich) und setzen sie bei Verstoß der Regeln auch wieder ab. Jeder Führer muss verheiratet sein. Jeder Führer muss drei Kinder „geboren“ haben. In einer anderen Erzählung heißt es: Jeder Vater bekommt das Baby als allererstes nach der Geburt in die Arme gelegt. – Ja, ich glaube das macht einen Unterschied, wie man Leben wahrnimmt.)

Der Widerspruch zwischen unserer Konsumwelt, aber auch den festen und hohen Gebäuden (Mauern), die Künstlichkeit die uns aus einer Perspektive immer wieder unsere Zugehörigkeit zur Außenwelt („Natur“) vorenthalten und der natürlichen Zugehörigkeit und diesem tiefen Wissen und Fühlen eins zu sein mit dem großen Organismus - irritiert mich auf einmal mehr denn je. Wie können wir diese große (künstliche) Welt, die uns das wahre Sein suggeriert, wirklich zum Umdenken bewegen? Ohne Fortschritt zu negieren und aus der „Alten“ & „Neuen“ Story eine zeitgemäße zu heben, die trotz allem der universellen Ordnung entspricht.

„Earth first“ ist ihre (die!) Devise. Und danach kommt erst einmal lange nichts (ist ja auch nicht schlimm, denn Du bist darin enthalten).

Sie sind erstaunt, dass wir es schaffen, immer wieder um uns selbst zu kreisen. Einmal erinnern sie uns streng: Eure Emotionen sind nicht dazu da, sie Euch gegenseitig zu „schenken“, sie im Raum zu verteilen und überall wirksam sein zu lassen. Ihr vergiftet Euch (wie mit dem Wasser). Gebt sie an die Erde, die nimmt es nicht persönlich. Das erinnert mich auch an Aussagen des Dalai Lama. Und mit Schmerz fühlen ist auch etwas anderes gemeint.

Weitere Älteste beeindrucken mit ihrem Wissen und ihrem fortwährenden Engagement: Sabine Lichtenfels (freie Theologin, Aktivistin, Mitbegründerin von ‚Tamera’), Claus Biegert (Journalist, Autor, Gründer ‚Nuclear Free Future Award’) , Thomas Steininger (Integraler Philosoph, Herausgeber 'Evolve' und 'Radio Evolve'), Elizabeth Debold (Autorin, Forscherin, Journalistin und Gender-Aktivistin), Declan Kennedy (Mitbegründer von GEN, Permakulturist, Architekt), Virginia "Gigi" Coyle (Community-Aktivistin, Frauenrechtlerin und Councillehrerin) LaDonna Bravebull Allard (Anishinabe-Stamm -Native American-, Historikerin, 'Standing Rock' Begründerin / per Video) u.a.

Dazwischendie, die die alltagspolitischen Strukturen zum Wanken bringen und Alternativen bieten (u.a.): Roman Huber (Mehr Demokratie e.V.), der im Anzug vom Verfassungsgericht zu uns stößt: weil er Klage gegen einen Entschluss zum Freihandelsabkommen mit Singapur auf europäischer Ebene eingelegt hat, da solche Abkommen enorme innenpolitische Auswirkungen haben. Der vom Deutschen Sparkassentag erzählt, der „Gemeinschaft leben“ zum Oberthema eines Tages gemacht hat. Vom Besuch bei wichtigen bayerischen Politikern, mit denen er einer gemeinsamen Sehnsucht auf den Grund gegangen ist. Claudine Nierth (Mehr Demokratie e.V.), die eine „Verabredung mit der Zukunft“ hat und uns an den Erfolgen der Bürgerbeteiligung Teil haben lässt.

Künstler & Philosophen: Charles Eisenstein (Philosoph, Ökonom, Autor und Occupy Aktivist), Andreas Weber (Philosoph, Biologe und Autor), Heike Pourian (Tänzerin, Autorin, Verkörperter Wandel), Lotan Sapir (Künstlerin, Israelische Friedensaktivistin), Dominik Werner (Theaterpädagoge, Kulturaktivist), Ben v. Mendelsohn (Grace Foundation, Tamera, Portugal).

Wir verbringen die Tage in einer Spirale (Joanna Macy): Der erste Tag ist der Dankbarkeit gewidmet (gratitude), der 2. dem Schmerz (honouring our pain), der 3. der Neuen (Alten) Geschichte (seeing with new eyes). der 4. Tag: dem Neuen entgegen zu gehen (going forth).

Wir hängen auch am vi­erten Tag noch im kollektiven Schmerz - neben vielen anderen positiven inhaltlichen Ereignissen und auch dem wahnsinnig tollen „Notorisch Erotomanen Transkulturellen Tanz Orchester“ N.E.T.T.O., das uns fröhlich und wild durch die Nacht getragen hat. Die Neue Geschichte dringt schon durch und ist dennoch verschleiert. Ein Knoten will platzen oder gelöst werden. Chaos formiert sich, Geschwindigkeit nimmt zu. Jeder will nochmal gesehen und gehört werden. Die jungen Aktivist*innen wollen endlich Recht bekommen! Dass ihr Aktivismus wie die Besetzung des Hambacher Forstes essenziell ist! (Was er ja auch ist!) Sie brauchen, dass wir dazu stoßen, die Dringlichkeit sehen... Ein Boykott,sich in den von der Leitung vorgegeben Strukturen zu bewegen, bricht sich Bahn. Wir benennen das Chaos als transformierende Kraft und lassen es bewusst zu, in Ehrung und Wertschätzung der Leitung. Sie gibt sich dem Prozess hin und ist weiter präsent.

Aus dem Chaos entsteht eine Neue Ordnung.

Die Jungen Menschen der „Aufhaltenden Aktionen“ laden ein mit ihnen in Kontakt zu kommen. Sabine Lichtenfels (Tamera) bietet ihnen ebenfalls an: „Auch ich sitze heute noch vor Panzern, lasst uns in Kontakt kommen!“ Es kommt ein berührender Raum zwischen Jung und Alt, zwischen gewachsenen Gemeinschaften und den jungen Rebell*innen zustande. Aus Angst wird Vertrauen. Es ist klar, dass wir einander brauchen, die vorpreschende jugendliche Energie und auch, dass sie einen Ort bekommen um aufgefangen zu werden, zugehörig zu sein, Hilfe auch ihren Hass und ihre Gewalt in Liebe zu wandeln. Ina Meyer-Stoll (ZEGG) und Luisa werden es im GEN (Global Ecovillage Netzwerk) weiter bewegen, dass Gemeinschaften daran beteiligt sind eine Auffangstruktur zu installieren, um nach Aktionen ankommen zu können.

Andere waren stiller, meditativer, haben uns Raum und Energie gehalten. Und wieder andere haben weiter über strukturelle Fortentwicklung nachgedacht.

Ah – wie gut, das Internationale, wie gut, das Englisch in meinem Ohr, das uns kulturübergreifend verstehen lässt! Wie gut einen Einblick in den Konflikt Israel – Palestina bekommen zu haben und diese beiden wunderbaren starken und berührbaren Frauen (Mai Shaheen & Maya Sasson) darin zu erleben.

Wie wach es macht, aus dem eigenen Drehen und Kreisen aussteigen zu wollen, zu müssen, es einfach zu tun - jetzt.

Danke, Danke danke,

an Geseko von LüpkeAdelheid Tlach-Eickhoff & Valentin Hörer

Danke Gemeinschaft Sulzbrunn, Dank an die Kunst und dank all ihr anderen Mitgestalter, Rebell*innen und Liebende.

Wir sind einen Schritt weiter gegangen und neue Möglichkeiten haben sich aufgetan, neue Bilder und neue Realitäten....

Für alle Wesen,

Eva Weigand & Ina Meyer-Stoll

 



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