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Antonius 2015.kleinGeboren 1958, Seit 20 Jahren versuche ich mich in der Kunst: Malerei, Metallgestaltung und Performance. Ich habe als Bergführer und Künstler Kurse in der internationalen Jugendbewegung geleitet, mit der Intention sozialer Gestaltung. Seit 1994 lebe ich im ZEGG und habe das Projekt mit aufgebaut. Zur Zeit befinde ich mich in einer dreijährigen Bildhauerausbildung in der Bildhauerhalle in Bonn.

 

Künstlerinterview mit Antonius Zehringer - bildender Künstler und Schlosser

Das Interview führte Barbara Stützel.

Barbara: Schön, dass wir das Atelier als Ort gewählt haben, Antonius. Es geht bei unserem Gespräch ja um Kunst. Und um dich.

Antonius: Es geht um Kunst und um mich - prima! Dennoch ging es z.B im Mittelalter nicht um das Individuum. Die Kunst stand immer im Dienst von etwas Höherem, im Dienst Gottes und die Kunst war dem Handwerk ebenbürtig.

In dem Sinne dass beide was erschaffen haben.

Indem die Kunst auf sehr starke handwerkliche Mittel zurückgegriffen hat. Sie musste seit der griechischen Antike über 1000 Jahre lang ein Form - und Wirksamkeitsverständins entwickeln, was Gott – über die nächsten Handlanger - die Priester - vorgegeben hatten, dass die Sinnstiftung in einer religiösen und einer harmonikalen Identität zwischen Gott und Mensch gewährleistet war. Da war wenig Kreativität im Spiel. Im Mittelalter stand die Kunst im Dienste eines Höheren. Erst Anfang des 17. Jhdt mit der Romantik und der Aufklärung ist das „Ich“ also das Individuum dazu gekommen.

Ich bin jetzt heute Künstler und produziere etwas, was die Welt erbaut und mich erbaut. Und bin maßlos überfordert. Wer heute als Künstler nicht überfordert ist und scheitert, hat mit Kunst wohl nicht viel zu tun. Wenn die gesellschaftliche Situation inskünstlerische Blickfeld rückt, die zur Zeit aus der arabischen Welt augenscheinlich hinüberschwappt und an dieser Stelle der Künstler sich der Kunst verpflichtet fühlt, arbeitet er mit Mitteln der Gegen - Welt (würde Schiller sagen) . Aber mit dem Mittel der Kunst, die eine Gegenwirklichkeit erschafft zur bestehenden.

Die Kunst hat ja auch eine Aufgabe in der Gesellschaft.

Ja. Kunst bietet für den Menschen díe höchste Möglichkeit. Sie generiert die Wirkungsspäre, in der der Mensch seine höchste Möglichkeit anpirschen kann. Was die ISIS macht, ist sicher nicht die höchste Möglichkeit und wie die westlichen Länder darauf reagieren auch nicht. Von daher ist eine künstlerische Frage an die Menschheit: Wie handeln wir in unserer höchsten Möglichkeit? Das zieht sich durch alle Lebensbereiche. Am Anfang stehen die klassischen Kunstbereiche: Musik, Theater, bildende Kunst. Da kann man sehr schön lernen, wie man mit den höchsten Möglichkeiten arbeitet und was zu jeder Epoche stimmig ist. Ein Reiterstandbild ist heute Quark, man baut keine monumentalen Skulpturen mehr wie zu nationalstaatlichen Gründerzeiten: Was ist heute also stimmig?

Und was ist heute stimmig z.B. angesichts der Flüchtlingssituation?

Das kann sich jeder fragen, was da richtig ist. Die Antwort der Kunst ist: suche die höchste Möglichkeit, um von dieser aus dann zu fragen: wie lebt man? Wie geht man mit seinen Bekannten und Freunden um? wie wählt man seinen Beruf? wie gestaltet man seine Arbeit? Hieraus ergibt sich ein radikaler, individueller und überindividueller Ansatz.

Die Kunst also immer radikal persönlich?

Ja. Im Sinne dieser Stimmigkeit. Ich bin kein Sammelsurium von Fakten, Daten sondern eine Komposition. Ich habe bestimmte Fähigkeiten, Vorlieben, etwas, was ganz spezifisch zu mir passt, in einer überpersönlichen Hinwendung zur Welt. Kommunziere also aus und mit dem entstehenden Kunstwerk heraus. Und wenn das stimmig ist, bekommet es einen "objektiven" Charakter, dann kann ich es als Werk betrachten z.B als eine Plastik aus Holz. Geht das plastizieren über das Klassische Bildhauerische hinaus, kann man anfangen von sozialer Plastik zu sprechen. Wenn ich merke, dass das, was mich beschäftigt, auch den anderen beschäftigt. Dann ist der Punkt von der sozialen Plastik schon erreicht - in dem ich mit dem anderen etwas gemeinesam habe.

Ein wesentlicher Punkt für die heutige Form von Kunst ist der Faktor Zeit, dass die Dinge wachsen können. Und damit meine ich nicht, wie lange man für ein Portrait braucht, sondern das die Dinge, die man zusammen im menschlichen Bereich bearbeitet, ihre eigene Wachstums - Zeit haben. Also der Begriff der Zeitlichkeit kommt ins Spiel. Ich kann die Samen säen und Bedingungen für das Wachstum schaffen, aber ich muss dem Ganzen Zeit geben. Der zweite Punkt ist der Wärme - Faktor, wenn etwas verformbar bleibt, plastisch bleibt, dann ist der Wärmecharakter damit verbunden. Was sich bewegt, ist warm, was starr ist, kalt. Wenn wir totalitäre Regierungssysteme nehmen, dann sind wir beim äußersten Kälteprinzip angelangt, wo sich nichts bewegt, innerhalb so einer Gesellschaft darf sich nichts mehr bewegen. Was in der ISIS Problematik wirkt, ist das Kälteprinzip.

Wenn du das so sagst, hat Gemeinschaft ein hohes Wärmepotenzial, weil alles ständig in Bewegung ist.

Gemeinschaften sind Wärmefelder, Schmelztiegel, Gießformen für Begriffe der Zusammenlebens.

Bei zu viel Wärme verbrennen die Begriffe. Was ein "Kunstwerk Gemeinschaft" ausmacht, ist die Ausgewogenheit in der Komposition, Kältepol und Wärmepol, Tiefe und Höhe…

Was würdest du mit diesem Blick zu unserer Gemeinschaft sagen? Ist sie ausgewogen?

Diese Gemeinschaft hier hat ein Problem (!) und Pobleme sind Zeichen von Reichtum. Sie ist in ihrer Tiefenstruktur in eine Art Starre, Inflexibilität geraten ist, während sie an der Oberflächenstruktur sehr bewegt ist.

Ich sehe die Gemeinschaft oft als Dampfer, es braucht bis sie ihre Richtung ändert, sie ist kein Rennschiff.

Ja, und obendrauf wuselt es. Es ist die Kunst angesagt, an der Oberfläche des Schiffes, einen Ruhe - Begriff zu entwickeln, um den " Innenkörper" in Bewegung zu bringen. Richtungsänderungen ohne zu wissen wo man hin navigieren will, ist für das Imunsystem des Schiffes gefährlich. Für eine Stabilität muß eine Willensbildung stattfinden, um bei der Richtungsänderung in der Kehre nicht zu kentern. Wenn man die Richtungsänderung nicht beherrscht fährt man gerade aus und findet dann die Herausforderung mit einem Eisberg. Eine Gemeinschaft kann - wenn sie nun dafür ein Gespür entwickeln - an den Dingen lernen die sie nicht beherrscht oder wo sie "Fehler" gemacht hat. Also, dass die Unfähigkeit die Fähigkeit ist.

Wo bist du gerade selbst in deiner Entwicklung dran?

Zur Zeit mache ich eine Ausbildung in Bildhauerei in Bonn. Eine Schule, bei der man permanent bei der Arbeit versucht, die persönlichen Konventionen aufzulösen. Das ist ein Kampf, der ein Leben lang geht und fordert immer die höchste Möglichkeit raus. Da ist der Zufall am Werk, da ist das Ding, das aus der Reihe tanzt am Werk. Der ganze Seelenapparat ist in Bewegung. Es hebt die alten seelischen Strukturen auf und versucht, die aus der Reihe tanzen zu erforschen. Wie viel revolutionäre Kraft in einem Klumpen Lehm steckt… das ist wirklich phänomenal. Hier beginnt die Gestaltungsfrage, auch die Gestaltungsfrage einer sozialen Sache, dann ist ein Klumpen Ton recht hilfreich. Weil der einem schnell sagt: hoppla, so geht’s, so nicht. Dieses Feld des Übens an einem Stück Ton ist in einer gewissen Weise auch übertragbar, wenn du mit Menschen zusammen bist, dieses plastische Verständnis...dass auch menschliche Prozesse plastisch sind.

Weil die Menschen auch antworten: so geht’s nicht.

...."das so gehst nicht" - ist der Anfang, durch und mit dem anderen ins plastische menschliche Gestalten zu kommen. Ich finde das die Schule, das Werk schlechthin. In dem Spannungsfeld zwischen Tonklumpen und ISIS.

Und du bietest ja auch an, deine Arbeit mit Gästen zu teilen.

Ich habe im April und im Juni ein Angebot für Portraitgestaltung in Ton. Was ist ein Portrait, warum gibt es das, warum haben wir das heute? Da ist die Ich-Frage daran geknüpft. Der Roman ist ja das Phänomen des Portraits überhaupt. Bei mir geht es um Proportionsstudien: Nase, Schädelform usw., - bildhauerisches Grundverständnis. Darauf wird aufgebaut. Mit der Zeit kann man sich lösen von dem figürlichen Portrait ins Abstrakte.

Kursangebot:
www.zegg.de/de/veranstaltungen/zegg-veranstaltungen/category/7-antonius-zehringer.html
oder
www.bildhauerwerkstatt-zehringer.de/kurse/

 

Magst du noch was Persönliches zu dir sagen? Was wir hier machen, ist ja in gewisser Weise auch ein Portrait.

 

Als Autodidakt und Portraitsuchender des zweiten Bildungsweges ist es bei mir in der Kunst nicht weitergegangen. Jetzt hole ich mir Beistand und Stoff und habe eine Kursänderung eingeleitet. Die Ausbildung zum Bildhauer ist eine andere Welt - also - die Gegenwelt! Mit anderen Leuten ein Thema zu wälzen und das auch zu Ende zu bringen, das ist eine Dichte, die ich sehr liebe. Das ermöglicht mir die Kunst. Jeder hat mit seinen eigenen Dingen zu kämpfen...und ich habe die schöne Verpflichtung, diese Qualität zu kultivieren. Damit wären wir wieder bei der Frage der höchsten Möglichkeit. Das ist ein "egoistischer" Ansatz – ich kümmere mich jetzt um mich selber (!) Mit höherem Alter - und ich glaube noch expliziter in Gemeinschaft - schneit die Frage nach der sozialen Integrität herein. Seit 1984 habe ich Gemeinschafts genudelt, da finde ich es völlig normal zu sagen, jetzt bin ich mal dran - die" Kinder sind aus dem Haus" - Platz zu machen für Nachkommende, mache ich einen Bogen um die Gemeinschaft, um von einer anderen Seite in diesen Schaffensvorgang des Menschlichen einzuweben. Man braucht ab und zu wieder Abstand von dem, was man gemacht hat. Der Künstler, der an seinem Werk klebt, gerät in Indentitätsprobleme. Er kann die Diffenzenz zwischen Schöpfer und Geschöfpten micht mehr sehen. Das ZEGG ist ein Werk, das ich mit gestalte und ich finde es völlig ok, dass ich von meinem Werk zurücktrete und es mir von "außen" anschaue. Hier findet eine andere Aufmekrsamkeit statt - als im Klebemodus, nämlich eine Aufmerksamkeit der Würdigung. Wenn ein Künstler nicht zurücktritt, wird er detailversessen und verliert den gesamten Blick, d.h. das Ganze ist nicht mehr kommunizierbar.... und so ist es Zeit, zurückzutreten und diese Komposition zu reflektiern, um zu einem anderen Zeitpunkt in eine andere Kompositionssituation einzusteigen.

 

Und das ist ja auch eine Qualität einer großen Gemeinschaft, worum es für einen Teil der Gruppe geht, sich mal ganz rauszuziehen.

 

Ist ja auch ein organischer Vorgang, ein Wachstumsvorgang, dass immer mal wieder andere vorne sind… Aber: In welcher Form sind die älteren Semester fruchtbar für die Gemeinschaft? Das ist hier noch nicht gelöst - oder ?

 Herzlichen Dank für diese Frage. Und für das ganze Gespräch, Antonius.

 

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