
Foto: Andreas Zierhut
Im ZEGG leben rund hundert Menschen, während Veranstaltungen und Festivals sind bis zu 400 Menschen am Platz. Doch wie funktioniert die tägliche Versorgung? Ein Blick hinter die Kulissen: Der Einkauf fürs ZEGG.
Wer sich im Speisesaal einfach einen Teller nimmt, sieht von all den Abläufen, die dahinter stehen meist nur wenig. Nicht sichtbar sind die Kühlräume, Keller und Vorratsräume. Die Saatgutbestellungen, Lagerplanung, Bestelllisten, Absprachen und das ständige Nachdenken darüber, was in welcher Menge benötigt wird.
Während das Kochteam an Anfang das Buffet eröffnet und auf die aus dem Garten kommenden Zutaten verweist, bleibt das komplexe System aus organisatorischen Abläufen, Absprachen, Planungen und Logistik unsichtbar. Dabei sind schon bevor es ans kochen geht verschiedenste Menschen involviert.
Damit das Büffet am Ende gut gefüllt ist und alles funktioniert, ist der Einkauf eine entscheidende Stellschraube.
Diese verantwortungsvolle und vielseitige Aufgabe liegt seit Anfang 2025 in den Händen von Andrea Effinger und Janina Kaplan. Für diesen Blick hinter die Kulissen wurde Andrea Interviewt. Sie engagiert sich bereits seit Oktober 2024 im Einkauf und übernimmt während Janinas Urlaub die alleinige Verantwortung für diesen Bereich.
Andrea lebt seit Dezember 2021 im ZEGG. Sie ist nicht nur Gemeinschaftsmitglied, sondern auch eine der Personen, die maßgeblich dafür sorgen, dass jeden Tag frisches Essen auf den Tellern landet, Obst und Gemüse fürs Frühstück bereit steht und unsere Gemeinschaftsmenschen und Gäste zufrieden sind. Während Einkauf in anderen Haushalten einen Gang zum Supermarkt bedeutet, geht es beim Einkauf für eine Gemeinschaft "weniger um Einkauf als um Versorgung.“
Denn bevor überhaupt etwas bestellt wird, müssen andere Absprachen getroffen und Abläufe beendet sein. Im ZEGG beginnt die Arbeit mit der Frage, was aktuell im Garten wächst und welches Gemüse erntereif ist und verbraucht werden muss. Deshalb erstellt das Gartenteam jede Woche eine Angebotsliste. Auf dieser Grundlage wird die Menüplanung entwickelt, die wiederum die Grundlage für den Einkauf der Lebensmittel bildet. Erst wenn klar ist, was aus dem eigenen Anbau kommt, wird ergänzt, was noch gebraucht wird.

Somit bedeutet das Einkaufen im ZEGG vor allem Kooperation und Planung: Die Menüplanung entsteht am Wochenende. Dienstags wird beim Bio-Großhändler (Terra) bestellt, mittwochs geliefert und bereits am Donnerstag reisen die ersten Gäste an. Die Zeitfenster sind kurz, Anpassungen müssen manchmal innerhalb weniger Stunden erfolgen. Damit das reibungslos läuft, bilden Garten, Küche, Dorfkneipe und Einkauf gemeinsam den Versorgungskreis und stimmen sich regelmäßig miteinander ab. In Andreas Worten ist es „ ein großes Zusammenspiel von Kommunikation, Planung und Koordination“. Auch bewegt sich der Einkauf immer wieder in einem Spannungsfeld, zwischen Idealen und praktischer Realität, denn:
- „Wir möchten möglichst nachhaltig wirtschaften und kleinere Produzent*innen unterstützen. Gleichzeitig müssen wir verantwortungsvoll mit den finanziellen Mitteln umgehen und die Gemeinschaft gut versorgen.“
- Ein Spannungsfeld das immer wieder einem kreativer Suchprozess, um die folgenden Fragen gleicht:
- Wie regional können wir einkaufen? Welche Produkte sind fair gehandelt? Braucht es Tomaten und Paprika im Winter? Welche Alternativen gibt es? Und wie lassen sich Nachhaltigkeit, Budget und die Bedürfnisse vieler Menschen miteinander verbinden?

Dabei hilft nicht nur Erfahrung, sondern auch ein über Jahre gewachsenes System aus Tabellen, Bedarfswerten und eingespielten Abläufen. Gleichzeitig bleibt genug Flexibilität, um auf Überraschungen reagieren zu können. Denn Überraschungen gehören dazu. Manchmal schießt der Salat plötzlich in die Höhe und muss dringend geerntet werden. Manchmal ist ein Produkt nicht lieferbar. Und manchmal produziert der Garten eine Fülle, die aussieht als könnte sie nicht bewältigt werden.
Andrea erinnert sich an einen besonderen Moment: „Letztes Jahr hatten wir ungefähr tausend Kilogramm Tomaten mehr als geplant.“
Plötzlich stellte sich nicht mehr die Frage, was eingekauft werden muss, sondern wie mit dieser Fülle umgegangen werden kann. Es wurden Helferinnen und Helfer organisiert, Lagerkapazitäten geschaffen, Prozesse abgestimmt und Tomatensoße eingekocht. Am Ende wurden alle Tomaten verarbeitet und mittlerweile sind sie aufgegessen.
Neben all der Kooperation, dem Nachdenken und der Lösungsfindung gehören auch praktische Tätigkeiten zur Einkaufsaufgabe. So stehen Mittwochs früh Wägen voller Kartons, Kisten und Säcke im Restokeller. Gemüse und Lebensmittel werden verräumt und aufbereitet, Bestellungen kontrolliert, Lager gefüllt. Und auch wenn das herumtragen von teils 25Kg schweren Säcken für viele Menschen nicht mit einem „Traumjob“ assoziiert wird, ist die Beschäftigung mit den Lebensmitteln für Andrea eine Herzensangelegenheit:
-
- „Ich liebe regional produzierte Lebensmittel. Als Einkäuferin berührt es mich, zum Ineinandergreifen von ZEGG-Gemüsegarten, Menüplanung, Kochteams sowie den Bedürfnissen von Gemeinschaft und Gästen beizutragen. Und auch dazu, Bewusstsein dafür zu schaffen, wo unsere Nahrung herkommt und was es braucht, damit sie auf unseren Tellern landet.“
Zumal darin eine besondere Verantwortung liegt. Schließlich ist sie so letztlich auch für die Gesundheit der Gemeinschaft mitverantwortlich ist. Es geht nicht nur um Lebensmittel. Es geht um Fürsorge. Um Aufmerksamkeit. Um die Frage, was Menschen brauchen, um sich genährt zu fühlen.

Auf die Frage, was Einkauf im ZEGG in einem Satz bedeutet, antwortet Andrea nach kurzem Nachdenken: „In verwobener Kooperation Fürsorge und Fülle im Rahmen der Möglichkeiten kreieren und pflegen.“
Während wir uns freudig am Buffet bedienen, in gemeinsamen Gesprächen am Tisch sitzen und uns das frisches Gemüse aus dem Garten schmecken lassen, wirken im Hintergrund viele Hände, Gedanken und Entscheidungen zusammen. Ein stetiger Kreislauf aus Aufmerksamkeit, Kooperation und Fürsorge. Vielleicht ist es genau das, was im Alltag oft unsichtbar bleibt. Und vielleicht erzählt genau das etwas darüber, was gelebte Gemeinschaft ausmacht.
Du möchtest mehr über unseren Einkauf wissen und erfahren wie der Einkauf dazu beigetragen hat, das Andrea von der Gemeinschaft anders wahrgenommen wird? Dann ist Folge 53 unseres ZEGG Podcast genau das richtige für dich! In „Lebensmittel lieben - unseren Einkäuferinnen im ZEGG“ sprechen Andrea und Janina über die komplexe Welt des Einkaufs für unsere Gemeinschaft. Link: https://www.zegg.de/de/wissen-medien/zegg-podcast/53-lebensmittel-lieben-unsere-einkaeuferinnen-im-zegg
P.S. Damit diese Arbeit sichtbarer wird, informiert inzwischen eine Magnettafel am Buffet darüber, welche Lebensmittel direkt aus dem Garten kommen, welche eingelagert wurden und was derzeit noch keimt und wächst.
Jonas Weiß & Sina Marie Brendel