
Das Atelier heute
Das Atelier von Anfang an:
In den 90er Jahren war Kunst und vor allem Malerei ein wichtiger Teil unseres Gemeinschaftslebens. Das zeigt sich auch darin, dass das Atelier bereits zu Beginn des Projektes einen festen Platz in der rechten Ecke des Hauptgebäudes erhielt. Zu einer Zeit, als es noch nicht genügend Wohnraum gab und private Zimmer mit bis zu fünf Personen geteilt wurden.
Darauf folgten einige Jahre, in denen das Atelier wenig genutzt wurde. Energieträger*innen der Anfangszeit zogen nach Tamera, andere Kunstschaffende nach Berlin und Potsdam. Und die im ZEGG verbliebenden Künstler*innen hörten zum Teil auf zu malen, widmeten sich anderen Aufgaben oder gaben ihre Kreativität zunehmend in die Gestaltung von Räumen und Plätzen. So richtete zum Beispiel Antonius sein Bildhaueratelier am Heizplatz ein.
2018, im Zuge der Sanierung des Hauptgebäudes wurde das Atelier, wie alle anderen Räume, komplett ausgeräumt und damit entstand die Chance zu einem Neuanfang. Beinahe wäre daraus ein Seminarraum geworden. Dank Almuts Beharrlichkeit konnte das Atelier jedoch erhalten werden. Nun kehrt die Lebendigkeit stetig in das Atelier zurück.
Karin, Almut, Birgit mit Gemeinschaftswerk
Inzwischen hat sie, nachdem sie 8 Jahre allein für die Gestaltung und Hüterschaft des Kunstraums zuständig war Unterstützung bekommen. Mit mir und Adrian sind wir nun ein Dreierteam, das die organisatorischen Aufgaben unter sich aufteilt. Das Reinigen sowohl der Räume als auch der Pinsel, Farben etc. gehören dazu wie die Pflege des angrenzenden und gemütlichen Barraums, der zu einem Treffpunkt für kleinere Gruppentreffen des ZEGGs geworden ist. Das Atelierteam kümmert sich auch um die Bilder in Zimmern und Gängen im Gästehaus und anderen Bereichen im ZEGG.
Auch stellt das Atelier Materialien, Stifte, Farben und Maluntergründe für die Seminargruppen zur Verfügung. Vor allem kann jede im ZEGG lebende Person das Atelier nutzen und auf Anfrage steht es auch Gästen zur Verfügung.
Neue Hüter*innen – neue Impulse, und ein Experiment:
Inzwischen sind Adrian und ich Mithüter geworden. Wir sind beide im Kunstverein Fläming aktiv und so entstand auch eine Verbindung zur Region.
Mit dem neuen Hüter*innenteam kam natürlich auch Veränderung. So war einer der ersten Impulse, der von Adrian kam, ein Regalbrett frei zu räumen. Mit der Lücke im Regal, wollte er einen freien Platz im Meer der vielfältigen Materialien, einen kreativen Frei-Raum schaffen, um die Kreativität zu fördern.

Das Materialregal mit freiem Fach
Eine für Almut ungewohnte Veränderung, da ihr schönstes Bild ist, möglichst alle Materialien sichtbar und unmittelbar zur Verfügung zu stellen und so Kreativität zu ermöglichen.Doch sie konnte sich einlassen und nun ziert ein Schriftzug den Regalplatz. Als Erinnerung viel Raum zu geben, offen zu sein und so die Kreativität in dir fließen zu lassen.

Inzwischen gibt es nun regelmäßige Treffen im Team. In den letzten Monaten haben wir uns hier mit unseren Visionen der Ateliernutzung und Fragen zur Nutzung des Raumes und der kreativen Energie im Atelier beschäftigt:
Wollen wir Coworkende Menschen, die an Laptops arbeiten hier haben? Wird das die Energie beeinflussen? Was ist künstlerische Arbeit? Wie können wir neue Medien und Kunstformen einladen? Braucht es Anschaffungen? Wollen wir einen 3d Drucker?
Wir hatten teils konträre Ansichten und einigten uns auf ein Experiment:
Ein Plakat im Atelier beschreibt die Versuchsanordnung:
Text Plakat:
Dieses Experiment wurde geboren, aus der Frage, welche Arten des Schaffens und Arbeitens die kreative Atmosphäre des Ateliers am meisten nähren. Wir, die Hüter*innen des Ateliers, haben unterschiedliche Perspektiven, darüber, ob arbeiten am Laptop im Atelier die künstlerische Energie mindert. Wir sehen eine Entwicklung, dass aktuell mehr Menschen künstlerisch hier arbeiten, die wir sehr begrüßen, und möchten schauen wie dies in Wechselwirkung mit anderen Formen des Schaffens steht. Videocalls sind nicht erwünscht.
Das heißt: In den nächsten zwei Monaten bist du hier auch mit Laptop oder anderen nicht-künstlerischen Arbeitsformen willkommen. Bitte respektiere dabei aber eine Vorfahrt für künstlerisches Arbeiten. Sprecht Euch bitte miteinander ab.
Wir wünschen uns allen folgendes Mindset: Du bist hier, weil du kreatives Arbeiten liebst, du hast Lust die künstlerische Energie zu heben und schätzt diesen Ort dafür.

Aktzeichnen im Atelier
Das Aktzeichnen kehrt zurück:
Inzwischen hat sich auch wieder eine Gruppe gebildet, die sich jeden Mittwochabend trifft. Es ist eine kleine fluide Gruppe von im ZEGG lebenden Menschen und Freund*innen entstanden, die sich hier regelmäßig trifft, um dem eigenen kreativen Flow zu folgen oder sich an Gemeinschaftsarbeiten zu beteiligen. Zuletzt wurde auch die Tradition des Aktzeichnens wieder aufgenommen.
Birgit, eine Künstlerin, die in Bad Belzig lebt und Gast im Atelier ist, hat diese Gruppe zusammen mit Almut initiiert: „Ich liebe die kreative Atmosphäre, den Austausch, das gemeinsame Tun und die Möglichkeit mein Wissen weiterzugeben. Das Miteinander ist oft so nährend und inspirierend, dass ich meist mit mehr Energie nach Hause gehe, als ich gekommen bin.“
Almut, Adrian und Ina:
Adrian:
Adrian lebt seit 4 Jahren im ZEGG. Er ist Vorstand unserer Genossenschaft. An seinem Arbeitsplatz im Atelier konzipiert und komponiert er für seine Kunstprojekte und seine künstlerischen Beiträge für unsere Festivals. Zurzeit arbeitet er an einer Klanginstallation für eine Ausstellung im Berliner Bethanien. (Datum 25.-28.06.26)
Ina:
Ina lebt seit 5 Jahren im ZEGG und ist in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Als Mitglied im Kunstverein Hoher Fläming hat sie an mehreren Gemeinschaftsausstellungen teilgenommen, mit Performances und neuen Werken, die im Atelier entstanden sind.
Almut:
Almut gehört zur Zegg-Gründergeneration. Sie hat Kunst und Bildhauerei studiert und war Teil der Künstlergruppe der 90er Jahre. Sie liebt die Idee der „anarchischen Kooperation“, eins der hellen Prinzipien des ZEGG - meint, es gibt wenig fixe Regeln, sondern diejenigen, die da sind müssen sich einigen: passt das Klavierüben gerade zum kreativen Malflow?
Ina Froitzheim