Hände

Unbezahlbar so ein Sommercamp. Was du hier erlebst, hat vielleicht das eine oder andere Mal dein Leben verändert. Das ist ja auch genau das, was wir wollen, weswegen wir es tun. Wir wollen ‚Ein anderes Leben ist möglich‘ erlebbar machen. Viele von euch haben es schon erlebt, es genossen und die allermeisten davon sind wiedergekommen oder waren sich zumindest darin einig, dass es ungemein wertvoll war. Nicht mit Geld zu bezahlen.

Nun leben wir allerdings noch in einem System, das über Geld funktioniert. Wir brauchen Geld um den Platz zu erhalten, dass Essen einzukaufen, unsere Angestellten zu bezahlen, die Heizung zu füttern, Equipment zu erneuern, und noch vieles mehr. Deswegen haben wir uns irgendwann entschieden, für unsere Veranstaltungen Geld zu nehmen. Damit wir die Angebote weiterhin machen können, waren wir gezwungen in den letzten Jahren die Preise kontinuierlich maßvoll anzuheben und jetzt denkt die eine oder andere von euch vielleicht, mittlerweile ist es aber ganz schön teuer.

Wie kommt das? Dass es teurer wird, kommt aus einfachen wirtschaftlichen Kalkulationen, die wir anstellen, immer mit der Ausrichtung, auch weiterhin noch für euch Veranstaltungen anbieten zu können. Wir versuchen hier nicht gemeinschaftlichen Reichtum, schon gar nicht persönlichen Reichtum anzuhäufen und es dürfte euch aufgefallen sein, dass keine von uns mit einem goldenen Rolls Royce herumfährt. Im Gegenteil leben wir persönlich wie gemeinschaftlich auf einem eher bescheidenen Status, da wir nicht auf Konsum ausgerichtet sind. Wir sind bescheiden und dennoch zufrieden.

Es kam mal eine Studentin zu uns, die eine Arbeit schreiben wollte über ‚Persönliches Reichtumsempfinden bei relativer Armut‘, ich antwortet ihr damals, zu ersterem könnte ich etwas sagen, letzterem würde ich nicht zustimmen, dass müsste sie entscheiden. Und damit wären wir bei einer entscheidenden Stelle. Was Reichtum und was Armut bedeutet, hängt vor allem damit zusammen, mit wem ich mich vergleiche. Wir alle hier und auch alle, die dies lesen sind unglaublich reich, wenn wir uns mit dem großen Rest der Welt vergleichen. Wir haben zu Essen, Obdach, sind sicher und damit geht es uns schon besser, als den meisten Menschen auf dieser Welt.

Auf der anderen Seite sind die meisten Menschen, die im ZEGG leben, hochqualifiziert, mit Ausbildung und/oder Hochschulabschluss. Nähme man den durchschnittlichen Verdienst vergleichbar qualifizierter Personen, so wären wir wahrscheinlich samt und sonders schlechter bezahlt. Aktuell sehen wir dies auch daran, dass wir neue Stellen nur schwer besetzen können, weil die meisten Menschen nicht bereit sind, für unsere Löhne zu arbeiten. Ich will damit nicht sagen, dass wir arm sind, aber wir haben uns entschieden, nicht so viel zu verdienen, weil uns das ideelle Ziel, euch einen Raum zu Verfügung zu stellen, in dem ihr wachsen könnt, wichtiger ist.

Es ist uns wichtiger vielen Menschen, ‚Eine andere Welt ist möglich‘ nahe zu bringen und uns als Menschheit damit dieser anderen Welt nahe zu bringen. Wir können uns vielleicht nicht so viel Konsum leisten, aber euch dieses Erlebnis bieten und die Welt damit, nach unserer bescheidenen Meinung, ein klein bisschen besser machen.

Kommen wir nochmals auf die Frage zurück, warum es manchmal teuer erscheint. Zunächst will ich eingestehen, dass wir gegenwärtig lediglich eine Summe ansetzen, die uns ermöglicht unsere Arbeit fortzusetzen. ‚Große Sprünge‘ können wir davon nicht machen. Wir sind uns auch darüber im Klaren, dass es viel Geld ist. Doch es wirkt natürlich nochmal viel mehr, gemessen an dem, mit dem mensch es vergleicht.

Ich selbst habe lange private Treffen organisiert, die gemeinsam getragen und gestaltet wurden. Hier habe ich einen gemeinsamen Spirit gefühlt, der dem unserer Camps nahekam, ihn vielleicht manchmal gar übertraf, vor allem, weil es Menschen aus ähnlichen Netzwerken waren. Doch natürlich waren sie für alle Beteiligten ungleich viel günstiger, da wir alle unentgeltlich arbeiteten. Verglichen mit so einem Treffen sind unsere Veranstaltungen eher teuer. Das wird uns oft vorgehalten, aber ich halte diesen Vergleich für unredlich.

Wenn uns Menschen besuchen, die professionell Seminare und Veranstaltungen anbieten, sind sie ausnahmslos davon überrascht wie günstig unsere Angebote sind. Dies liegt vor allem daran, dass auch wir viele Dinge unbezahlt machen und uns vor allem auch mal länger gemeinsam engagieren ohne auf die Arbeitsstunden zu schauen.

Ich habe mal in einer ähnlichen Organisation gearbeitet, wo auch nicht alles minutiös bezahlt wurde. Wir hatten dort allerdings die Vereinbarung, dass wir uns mehr aus der Arbeit herausholen, als wir in sie hineinstecken und das hat meist auch geklappt. So ist es auch bei uns. Die spirituellen Erkenntnisse, die manche Mitarbeitende aus einer Spülschicht ziehen, darf eins nicht unterschätzen. Selbst unsere Vortragsredner:innen nehmen meist nur ein geringes Honorar, wenn überhaupt.

So sind unsere Veranstaltungen so teuer wie nötig und so günstig wie möglich.

von Markus Euler

 

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