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WebWorker für Joomla! gesucht

Wir suchen ein bis zwei Personen mit guten bis sehr guten Kenntnissen in Joomla!, die Lust hat in unserem hauseigenen Team an der Neugestaltung unser Internetpräsenz mitzuarbeiten.

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Kristina und Malou.kleinKristina Werth ist unsere Beauftragte für alle, die hier im ZEGG einen sogenannten Freiwilligendienst (FÖJ/ Bundesfreiwilligendienst) bzw. ein Praktikum machen.
Barbara Stützel interviewte sie zu der Situation von jungen Menschen im ZEGG.

 B: Hallo Kristina. Wie lange lebst du denn jetzt schon hier am Platz?

K: Derieinhalb Jahre .

B: Das kommt mir viel länger vor.

K: Ich war 2009 im Gemeinschaftskurs und fühlte mich seither sehr beheimatet hier. Ich bin also seit sieben Jahren immer wieder hier. In der ganzen Zeit war ich mit den Menschen der „alten Sauna“ (Wohngruppe im ZEGG) in Kontakt, die damals die Empathie Festivals ausgerichtet haben. Ich habe sie dabei unterstützt. Das war schon eine sehr intensive gemeinsame Zeit.

B: Und jetzt lebst du ganz hier und bist Mutter einer eineinhalb-jährigen Tochter. Und gleichzeitig beschäftigst du dich mit anderen jungen Menschen..

K: Ja. Ich bin da hineingewachsen. Es war ein schöner Prozess, weil diese Arbeit zu machen nicht aus einem Gedanken kam, sondern weil mir in einer unserer Intensivzeiten klar wurde, dass es die jungen Menschen hier am Platz braucht, damit sich unser Miteinander vollständig und komplett anfühlt. Und eben nicht nur als Gäste. Ich habe gespürt, dass ich eine gute Brücke sein kann zwischen den Generationen und dafür, was junge Leute brauchen, um sich dauerhaft auf ein Projekt wie das unsere einzulassen.

Für mich ist ein wichtiger Wert „Selbstermächtigung“. Und gerade bei jungen Menschen finde ich dies so wichtig. Ich möchte ihnen eine Unterstützung sein, dass sie ihr volles Potenzial erst einmal spüren und dann auch leben können. Dass sie darum wissen, dass ihnen hier bei uns (und möglichst auch in unserer gesamten Gesellschaft) die Türen offen stehen. Dass sie dem Weg folgen können, der ihnen ganz entspricht. Das gibt Möglichkeiten und Freiheiten, die viele junge Menschen in unserer Gesellschaft heutzutage leider nicht spüren können. In den letzten Jahren wenden sich immer mehr junge Menschen an uns in der Hoffnung eine Alternative zu finden, zu dem, wo sie an den Schulen oder Universitäten keine Antworten mehr bekommen. Das macht mich sehr traurig und gibt mir gleichzeitig den Antrieb diese Arbeit zu machen.

Seit Mai 2014 bin ich nun verantwortlich an dieser Stelle. Und wo wir anfangs immer nur zwei Freiwillige im FÖJ hatten, gibt es nun eine weitere französische FÖJ Stelle und mehrere Stellen im Bundesfreiwilligendienst (BFD), außerdem ab und zu noch Praktikanten, die mindestens für drei Monate hier sind. Als die Gelder vom Bund für die Freiwilligendienst drastisch gekürzt wurden, hatte jede Einsatzstelle erst nur noch Anrecht auf einen Freiwilligen. Aber der IJGD bekam so viel positives Feedback über uns als Einsatzstelle, dass wir weiterhin zwei Plätze für Freiwillige über den IJGD haben dürfen. Das ist ein richtiges Privileg für uns und eine schöne Rückmeldung, dass dieser Ort anscheinend ein Ort ist, an dem sich junge Menschen wohl fühlen und viel lernen können. Und dies ist auch der Verdienst meiner Vorgängerin Ina Welpmann. Da viele nach ihrer Freiwilligenzeit hier im ZEGG bleiben, gibt es jetzt schon eine richtige Gruppe junger Menschen.

B: Was ist dein Traum für junge Menschen hier im ZEGG?

K: Dass diese Gruppe kontinuierlich hier lebt und andere junge Menschen leicht andocken können. Dass sie im ZEGG wirklich Fuß fassen, sich dauerhaft beheimaten, auch in unserem Seminarbetrieb, wo schon immer sehr viel los ist.

Außerdem wünsche ich mir noch mehr Austausch zwischen den Generationen; dass wir von dem, was sie Neues erforschen, mehr profitieren können und ihnen andersherum das leicht zukommt, was von den Generationen vor ihnen schon gelebt und erfahren wurde. So könnte es doch für uns alle viel leichter werden :)!

Dafür braucht es von beiden Seiten eine Offenheit und ein sich wirklich Sehen mit den Bedürfnissen: Wenn ein junger Mensch beispielsweise hier ist und sagt, er/sie ist jetzt für ein Jahr hier, dann ist das schon ein richtiges „Commitment“ für sein/ihr Alter. Und gleichzeitig ist es für Menschen, die hier schon länger leben und sich Kontinuität und Intimität im Miteinander wünschen, auch zu wenig. Wenn wir da die gegenseitigen Bedürfnisse anerkennen, wird es leichter.

B: Was glaubst du, finden die jungen Menschen hier?

K: Die, die sich hier bewerben sind sehr auf einer gesellschaftlichen Suche. Sie wollen etwas tun, was Sinn hat. Und hier haben sie die Möglichkeit zu gucken: Was will ich wirklich? Es ist wie eine Lebensschule für junge Menschen. Und sie tragen ihre Fragen nach Sinn mit hier hinein. Das ZEGG kann eine Antwort sein, Hoffnung machen, einen Weg weisen, wo wir was anderes vorleben. Im sozialen Miteinander und wo wir einen Anker nach draußen werfen in ein weitergehendes ökologisches und soziales Netzwerk. Wenn die jungen Menschen spüren können, wo sie hier leben, kommt ganz von alleine der Schritt, beitragen zu wollen und dazu auch zu gucken: Wo sind meine Qualitäten und wo geht es für mich hin?

Was ich bei ihnen sehe, ist, dass sie schon sehr stark ein neues Miteinander leben. Sie wenden mit einer großen Selbstverständlichkeit Methoden an wie die „Gewaltfreie Kommunikation“ (GFK), „Possibility Management“ oder „Counselling“. Es ist für sie z.B. ganz natürlich, nicht bei der Person aufgestaute Emotionen zu entladen, die diese „angetriggert“ haben, sondern bei jemand anderem. Das finde ich sehr bewundernswert und es macht mir immer wieder viel Mut für unsere Zukunft.

B: Wie reagieren denn die Menschen im ZEGG auf die jungen Menschen?

K: Dadurch dass es mehr geworden sind, gibt es natürlich auch Berührungsängste, ähnlich wie mit einer anderen Kultur. Für manche Menschen ist es eben nicht selbstverständlich, mit verschiedenen Generationen zusammen zu leben. Ich finde, dass wir als Gemeinschaft mehr an unsere blinden Flecken gestoßen werden. Wir könnten den jungen Menschen an vielen Stellen eine größere Klarheit geben, nicht im Sinne von negativer Autorität, sondern als Orientierung. Und da habe ich schon manchmal den Eindruck, dass wir dann mit dem Zeigefinger kommen – und sagen, wie sie sein sollen. Dabei ist ihr Blick oft sehr erfrischend, wenn sie uns Spiegel geben und auch eingefahrene Strukturen ansprechen. Dafür bin ich ihnen immer wieder sehr dankbar und das lässt mich auch weiterhin mit der jüngeren Generation verbunden bleiben. Indem ich versuche ihnen selbstverständlich auf gleicher Augenhöhe zu begegnen.

B: Und was machst du außerhalb der Arbeit mit den Freiwilligen noch so?

K: Das Prinzip der „Selbstermächtigung", von dem ich anfangs sprach, findet nicht nur in der Arbeit hier mit den jungen Menschen seinen Ausdruck. Mir ist es ein großes Anliegen, dass Menschen sich selbst ganz ernst nehmen und in ihr volles Potenzial wachsen können UND andere in ihren Anliegen und Wünschen sehen und hören können. Auf gleicher Augenhöhe.

Das, womit ich außerhalb des ZEGG in diesem Wirken Geld verdiene ist die Arbeit mit der „Gewaltfreien Kommunikation“. Ich liebe es mit Menschen zusammen zu kommen, wo wir immer mehr lernen, die Kraft unseres gesamten Gefühlsspektrums zu nutzen und uns ganz für unsere Bedürfnisse einzusetzen, ohne dass wir damit andere vor den Kopf stoßen. Im Gegenteil: Indem wir unser Potenzial mehr und mehr leben und andere damit einbeziehen, sie auch um Hilfe und Unterstützung bitten, ermutigen wir auch andere dazu sich mit ihrer Kraft dem Leben ganz zur Verfügung zu stellen, sich ganz zu ermächtigen, ohne uns über den anderen zu stellen.

 Ich freue mich sehr, dass diesen Herbst (28.10-31.10) unsere „Grundausbildung in die Gewaltfreie Kommunikation“ mit dem Titel „Echt jetzt!“ im ZEGG startet. Sie umfasst sechs aufeinander aufbauende Module, in der wir gemeinsam üben, authentisch mit unserem ganzen Wesen im Hier und Jetzt zu sein und die Haltung der Gewaltfreiheit im Alltag anwenden zu können. Einführungen hierfür finden am 10./11. September in Potsdam und am 01./02. Oktober in Leipzig statt. (Mehr Informationen dazu findet ihr hier: www. echtjetzt.eu)

 Ich engagiere mich außerdem im Flüchtlingsbereich, indem ich MultiplikatorInnen Fortbildungen gebe, also Menschen, die mit Flüchtlingen zu tun haben. Bis 2012, also bevor ich ins ZEGG gezogen bin, habe ich in Magdeburg therapeutisch mit Flüchtlingen gearbeitet. Gerade wo ich mich auch immer wieder sehr hilflos mit der Situation der Flüchtlinge fühle, bin ich sehr dankbar meine Erfahrungen weiter geben und auf diese Weise unterstützen zu können.

B: Vielen Dank für das Gespräch und vor allem für deine wunderbare Arbeit, auch hier mit den jungen Menschen.

 



ZEGG – Bildungszentrum gGmbH
Rosa-Luxemburg-Str. 89
14806 Bad Belzig

Telefon: +49 (0) 33841 595-100
Telefax: +49 (0) 33841 595-102

E-Mail:
Web: www.zegg.de


Im ZEGG leben 100 Menschen gemeinschaftlich zusammen. Wir sind Modellprojekt für ein sozial und ökologisch innovatives Leben und Wirtschaften. Dabei interessiert uns, wie nachhaltige Entwicklung funktioniert - für jede/n Einzelne/n und für die Gesellschaft als Ganzes. Wir legen Augenmerk auf die sozialen, spirituellen, ökonomischen und ökologischen Aspekte dessen, was wir tun.

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