*Was, wenn wir aufhören vorzutäuschen?*
Acht Tage lang sagen wir einander, was wirklich in uns los ist: wer uns anzieht und wer uns nervt, was wir wollen und was nicht, wofür wir uns schämen. Wir erzählen unsere Lebensgeschichten, auch die Teile, die wir sonst weglassen. An einem Tag stehen wir nackt vor der Gruppe. Und erstaunlich oft lachen wir dabei.
Vielleicht kennst du das: Dein Leben läuft. Du kriegst deine Sachen hin, bist für andere da und kommst gut klar. Und trotzdem bist du oft angespannt, sogar erschöpft, und irgendwie auf Abstand – selbst mit Menschen, die dir nahe sind. Du fragst dich, wofür du dich so anstrengst, und hast den leisen Verdacht: Da geht mehr. Mehr Lebendigkeit, mehr Verbindung, mehr Entspannung im eigenen Körper.
Hast du jemals …
• … Ja gesagt, obwohl du Nein meintest?
• … Nein gesagt, obwohl du Ja meintest?
• … lieber alles allein gemacht, als um Hilfe zu bitten?
• … behauptet, ein Streit sei geklärt, obwohl du noch verletzt warst?
• … Zuneigung, Lust oder Dankbarkeit gespürt und sie für dich behalten?
• … wissen wollen, was jemand für dich empfindet, und dich nicht getraut zu fragen?
• … Eifersucht gespürt, aber cool getan?
• … so getan, als würdest du jemanden mehr mögen, als du es tatsächlich tust?
• … dir gewünscht, mit anderen spontaner, freier und lebendiger zu sein?
Dann bist du hier in bester Gesellschaft.

Oft merken wir gar nicht, wie viel Kraft es kostet, ein bestimmtes Bild von uns aufrechtzuerhalten: stark, klug, nett und attraktiv zu sein, niemanden zu belasten, alles im Griff zu haben. Wir strengen uns an, weil wir Angst haben, sonst nicht gemocht zu werden. Vieles davon läuft automatisch, weil wir früh gelernt haben, Gefühle, Bedürfnisse und Ärger wegzupacken. Und auf Dauer macht das ganz schön einsam.
Ehrlich zu sein ist aufregend, manchmal ein bisschen beängstigend – und geht oft besser aus, als wir dachten. Die Kraft, die vorher in der Fassade steckte, wird frei: zum Spielen, zum Lachen – und um dein Leben, wie du es kennst, auf den Kopf zu stellen.
In diesem Retreat nehmen wir uns acht Tage Zeit, langsamer zu werden und neugierig hinzuschauen, was unter der Oberfläche los ist. Wir entscheiden uns, ehrlich zu sein – nicht aus Moral, sondern als Experiment: Schritt für Schritt, im eigenen Tempo und mit echten Menschen.
Und du nimmst etwas Konkretes mit nach Hause: ein Gespräch, das du seit Langem vor dir herschiebst – mit deinem Partner, deiner Mutter, einem Freund oder einer Kollegin. Hier bereitest du es vor und probierst es aus – führen kannst du es dann im echten Leben.
Wer wir sind
Wir sind Eivind Liland und Uli Seiler
Eivind ist Norweger und lebt seit 2021 im ZEGG. Vorher hat er Grafikchips entwickelt und ein soziokratisches Raumfahrt-Startup gegründet. Heute ist er überzeugt: Den eigenen Körper zu spüren bringt dich an Orte, die keine Rakete erreicht. Er hat eine Ausbildung in beziehungsdynamischer Paar- und Sexualtherapie, arbeitet als Pantarei-Practitioner mit Körperarbeit und leitet seit mehreren Jahren Workshops zu Ehrlichkeit und Intimität. Aus seiner früheren wöchentlichen Gruppe „Experiment Ehrlichkeit“ auf der Kirschwiese im ZEGG ist dieses Retreat gewachsen.
Uli war früher Führungskraft in einem großen Konzern. Heute ist er Heilpraktiker für Psychotherapie. Er hat Ausbildungen in mehreren körperorientierten und psychotherapeutischen Verfahren und bringt viel Erfahrung mit Achtsamkeit und Gruppenprozessen mit.
Uns beide hat vor allem Radical Honesty geprägt. In unsere Arbeit fließen außerdem Impulse aus Authentic Relating/Circling, Ehrlichem Mitteilen, Wheel of Consent, Gewaltfreier Kommunikation, Field Facilitation, Wutkraft, Liebe tanzen und Contact Improvisation ein.

Was passiert
Wahrnehmen statt vorstellen: Im Kern dieser Arbeit steht der Körper: das, was wir gerade sehen, hören und spüren – im Unterschied zu dem, was wir uns vorstellen, befürchten, glauben oder dem anderen verkaufen wollen. Wie mit einer Taschenlampe richten wir unsere Aufmerksamkeit auf diese unterschiedlichen Bereiche unserer Wahrnehmung und sprechen aus, was wir bemerken.
Vereinbarungen: Am ersten Abend legen wir gemeinsam fest, worauf wir uns einlassen: Wir sind ehrlich, auch über unsere Grenzen. Wir bitten um das, was wir wollen. Wir bewahren Vertraulichkeit: Was hier geteilt wird, bleibt hier. Wir berühren uns nur, wenn alle Beteiligten es wollen. So werden wir für acht Tage eine kleine, ehrliche Gemeinschaft.
Check-In und Übungen: Jeden Morgen beginnen wir mit einem Check-In im Kreis. Dort sprechen wir den Elefanten im Raum an: was dich an jemandem nervt oder anzieht, was in der Pause aufgekommen ist, was noch nicht gesagt wurde. Dann bleiben wir dabei, ohne zu diskutieren, und lassen die Gefühle kommen und wieder gehen. Das musst du vorher nicht können: Wir beide verlangsamen, lenken deine Aufmerksamkeit auf das, was du spürst, schlagen dir Sätze vor und unterbrechen, wenn du dich in Erklärungen verlierst. Dazu kommen theoretische Inputs und Übungen zu zweit und in Kleingruppen.
Lebensgeschichten: Jede Person erzählt in fester Zeit ihre Lebensgeschichte – besonders die Teile, die wir sonst verschweigen. Später sagen wir, was bei uns angekommen ist und was es in uns bewegt hat. Dabei zeigt sich oft, wie viel wir gemeinsam haben – und dass die anderen uns weniger verurteilen, als wir befürchtet haben. Und wenn doch jemand urteilt, merkst du: Es ist kein Weltuntergang. Gerade so verlieren die Schreckfantasien ihre Kraft. Wir nehmen deine Geschichte auf Video auf und überspielen sie dir auf einen USB-Stick, zum Anschauen zu Hause oder für Menschen, denen du sie zeigen willst. Bei uns löschen wir sie gleich danach.
Nonverbale Abende: An mehreren Abenden spricht der Körper statt der Worte, jedes Mal in einem anderen Format: Übungen aus dem Wheel of Consent, Wutkraft-Übungen zu Grenzen oder das Herzraum Tanzen, unsere Version von Liebe tanzen, auf das wir uns besonders freuen. Immer geht es darum, zu spüren, was du gerade willst, und danach zu handeln: auf jemanden zugehen oder dich zurückziehen, ein Gefühl durch den Körper gehen lassen, zeigen, was du nicht willst. Wir berühren uns nur, wenn alle Beteiligten es wollen. Schön oder im Rhythmus muss dabei nichts sein. Beim Herzraum Tanzen bewegst du dich frei in einem klaren Rahmen, und wir laden auch Menschen aus der Umgebung ein: ein erster Schritt, das Geübte auch außerhalb der Gruppe zu leben.
Nackt-Tag: An einem Tag lassen wir die Hüllen fallen. Nacheinander stellen wir uns vor die Gruppe und erzählen von unserem Körper – was wir an ihm mögen und was nicht – und von unserer Sexualität, bis hin zu dem, was wir bisher nicht einmal unserem Tagebuch anvertraut haben. Wahrscheinlich werden wir dabei rot. Viele erwarten etwas Erotisches, doch meist ist es eher verletzlich, entlastend und sehr menschlich. Oft nehmen gerade die am meisten mit, die sich vorher am meisten davor gefürchtet haben. Wenn du willst, filmen wir dich dabei – wie bei der Lebensgeschichte.
Video anschauen: Am nächsten Tag schauen wir die Videos gemeinsam an. Danach kommt dein Video auf deinen USB-Stick, und wir löschen es gleich bei uns. Dich selbst von außen zu sehen, kann noch konfrontierender sein als der Moment selbst. Wenn Scham auftaucht, kannst du die anderen fragen, wie sie dich sehen. Und oft erlebst du: Sie sehen dich viel freundlicher als du dich selbst.
Dein Ja und dein Nein: Melde dich nur an, wenn dein Ja echt ist: wenn du jetzt bereit bist, dich auf alle Teile einzulassen – auch auf die, vor denen du vielleicht zurückschreckst. Was dann im Moment in dir auftaucht, kannst du heute nicht wissen. Kommen Zweifel oder ein Nein, sind sie mehr als willkommen: Dein Nein wieder zu spüren, es zu sagen und danach zu handeln, ist genau das, was wir hier üben. Niemand wird gedrängt; wir schauen gemeinsam hin, was da ist – ohne dich umzustimmen. Wenn dir vorher etwas Sorgen macht, etwa der Nackt-Tag, die Videos oder Berührung, schreib uns, dann telefonieren wir.
Pausen: gemeinsam essen, spazieren, spielen, kuscheln, reden, schweigen – oder Zeit für dich haben.
Zurück in den Alltag: Zum Ende bereitest du mit uns das Gespräch vor, das du mitnehmen willst. Dabei schauen wir, wie du ehrlich sprechen kannst mit Menschen, die nicht dieselben Vereinbarungen getroffen haben wie wir hier.
Intensität und Leichtigkeit: Ja, es wird intensiv – und zwischendurch sehr lustig. Wenn jemand endlich ausspricht, was er oder sie jahrzehntelang für sich behalten hat, und die anderen nicken nur, kippt die Spannung in Gelächter. Wir weinen, schreien, tanzen, singen und albern herum. Und viele fahren leichter nach Hause, als sie gekommen sind.
Was wir erforschen
• Spüren: Merken, was gerade in dir los ist – Körperempfindungen, Gefühle, Gedanken, Impulse, auch die, die keinen „Sinn machen“.
• Aussprechen: Bemerken, wenn du etwas zurückhältst, dich erklärst oder rechtfertigst, und stattdessen direkt sagen, was du brauchst, was du vermeiden und was du bewirken willst. Auch Ärger, Begehren, Scham, Angst und Zuneigung – ohne erst beweisen zu müssen, dass du im Recht bist.
• Wünsche und Grenzen: Um das bitten, was du willst, und in Kontakt bleiben, auch wenn du enttäuscht bist. Deine Grenzen spüren und zeigen, auch wenn dein Gegenüber enttäuscht ist.
• Ich, du und wir: Präsent bleiben, wenn jemand wütend oder traurig ist, ohne zu retten oder wegzugehen. Und neugierig sein auf dich, die anderen und das, was zwischen euch entsteht.

Passt das zu dir?
Ja, wenn du …
• neugierig bist auf dich selbst und andere
• müde bist vom Performen
• dich nach mehr Tiefe und Intimität sehnst
• mitmachst, anstatt zu sagen, was du wirklich willst
• Schwierigkeiten hast, Grenzen auszudrücken
• bereit bist, unbequem zu werden
Eher nicht, wenn du …
• lieber auf der Sachebene bleiben willst
• teilnimmst, um andere zu ändern statt dich selbst
• besser performen willst, statt dich zu zeigen
Und wenn du zögerst, weil acht Tage nur für dich egoistisch wirken: Vielleicht haben die Menschen um dich herum danach mehr von dir.
Dieses Retreat ist keine Therapie. Wenn du in psychotherapeutischer Behandlung bist oder dir wegen deiner psychischen Gesundheit unsicher bist, sprich vor der Anmeldung mit uns.
Zeitplan (voraussichtlich)
Anreisetag: Das Retreat beginnt um 17:00 Uhr. Bring davor bitte etwas Zeit mit, um in Ruhe anzukommen, einzuchecken und dein Zimmer zu finden.
• Nachmittagsblock: 17:00–18:30 Uhr
• Abendessen: 18:30 Uhr
• Abendblock: 20:00–21:30 Uhr
Seminartage:
• Frühstück: 8:00–10:00 Uhr
• Vormittagsblock: 10:00–13:00 Uhr
• Mittagessen und Pause: ab 13:00 Uhr
• Nachmittagsblock: 15:30–18:30 Uhr
• Abendessen: 18:30 Uhr
• Abendblock: 20:00–21:30 Uhr
Abreisetag:
• Vormittagsblock: 10:00–13:00 Uhr
• Das Retreat endet mit dem Mittagessen um 13:00 Uhr

Bereit?
Wenn du beim Lesen an einer Stelle schlucken musstest, bist du hier vermutlich richtig. Kommst du mit?
Eivind und Uli
Fragen vorab? Schreib Eivind an .